Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Gen-Doping macht Mäuse zu Kraftprotzen

29. Aug 2007 07:12
Supersportler dank Gen-Manipulation
Bild vergrößern
Mit einfachen Gen-Manipulationen hat ein Wissenschaftler die Muskelmasse von Mäusen vervierfacht. Die Super-Mäuse könnten für neue Dopingmethoden missbraucht werden.

Zwei simple Gen-Tricks haben Mäuse in wahre Kraftprotze verwandelt, die vier Mal so viel Muskelmasse wie normale Artgenossen haben. Die Veränderung des ersten Gens war US-Forschern schon vor drei Jahren gelungen: Sie machte die kleinen Nager zu «olympiareifen» Ausdauersportlern, die doppelt so lange rennen und im Wasser paddeln konnten wie natürliche Mäuse.

Jetzt fügte der Molekularbiologe Se-Jin Lee von der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore eine zweite genetische Veränderung in die Versuchstiere ein und verdoppelte die bereits angeschwollenen Muskelpakete der Nager ein weiteres Mal. Die Ergebnisse seines Experiments stellt Lee im frei zugänglichen Online- Journal PLoS One (Bd. 2, Nr. 8, DOI:10.1371/journal.pone.0000789) der Public Library of Science vor.

Sie zeigten, «dass die Kapazität für weiteres Muskelwachstum auf diesem Weg weitaus größer ist als bisher angenommen», kommentiert Lee seine Versuche. Von ihnen erhoffen sich die Forscher Medikamente gegen Muskel- oder Stoffwechselkrankheiten. Das jüngste Experiment wurde von den Nationalen Gesundheitsforschungsinstituten (NIH) der USA, der Muscular Dystrophy Association und einem Pharmakonzern finanziert.

Gefahr von Dopingmissbrauch

Mehr in der Netzeitung:
Auf die Frage, ob sein Verfahren auch als Doping missbraucht werden kann, geht Lee nicht weiter ein. Dagegen hatten Autoren der ersten Versuchreihen eingeräumt, dass die Gefahr eines Missbrauchs bestehe. Bei den Marathon-Mäusen mit doppelter Muskelkraft war zunächst nur das Gen für den Eiweißstoff Myostatin ausgeschaltet worden. Es reguliert normalerweise das Muskelwachstum. Lee ging einen Schritt weiter und kurbelte die Produktion des Proteins Follistatin bei den genveränderten Nagern an.

Das zusätzliche Verfahren verdoppelte die Anzahl der Muskelfasern unter anderem über dem Brustkorb und am Bauch ein weiteres Mal und kreierte Super-Mäuse mit letztlich vier Mal so kräftigen Pectoralis-, Triceps-, Quadriceps- und Gastrocnemius-Muskeln. «Jetzt werden wir nach weiteren Faktoren suchen, die mit Myostatin kooperieren, damit wir das volle Potenzial des machbaren Muskelwachstums zur therapeutischen Anwendung ausschöpfen könne», versprach Lee.

Mehr im Internet:
US-Forscher aus Bethesda hatte schon Windhunde genetisch verändert, so dass ihnen stärkere Muskeln wuchsen. Den Tieren fehlte das Muskel-Regulatorprotein Myostatin. Die riesigen Muskelpakete störten die Tiere aber beim Laufen. Doping-Forscher Patrick Diel von der Deutschen Sporthochschule in Köln hält Manipulationen durch Myostatin für eine der wahrscheinlichsten neuen Dopingmethoden. Das US-Pharmaunternehmen Whyeth testet derzeit - für medizinische Zwecke - einen Antikörper, der Myostatin gezielt blockiert. (dpa)
 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
 
25 Jahre «Spacelab»: 
Weltraumjubiläum für Europa
 
UN-Klimakonferenz in Poznan: 
«Wir haben keine Zeit zu verlieren»
Alte Wetterdaten decken auf: 
Chinesen könnten von Klimawandel profitieren
 
Studie über Cyberchondrie: 
Wenn das Internet richtig krank macht
 
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.