16.08.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Sucht: Die Ursache kann in den Genen liegen
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Suchterkrankungen haben nach Meinung von Hamburger Forschern ihre Ursachen in einer Genvariation. Bei den entsprechenden Personen ist das Belohnungssystem im Gehirn gestört.
Das Risiko, eine Sucht zu entwickeln, wird von den Genen mitbestimmt. Das Erbgut beeinflusst das Belohnungssystem im Gehirn und damit das menschliche Verhalten.
Wissenschaftler des Hamburger Universitätsklinikums Eppendorf zeigten erstmals, dass das Gehirn von Menschen mit bestimmten Genvarianten nur schwach auf Belohnungen reagiert und diese Menschen ständig neue Reize suchen. Dies fördere möglicherweise das Suchtverhalten, berichtete das Bundesforschungsministerium am Donnerstag in Berlin auf Grundlage der von ihm unterstützten Studie.
Aktivität im BelohnungssystemSchon länger gehen Wissenschaftler davon aus, dass bei Suchterkrankungen das Belohnungssystem im Gehirn gestört ist. Die Wissenschaftler vom Institut für Systemische Neurowissenschaften am Hamburger UKE untersuchten laut Forschungsministerium nun erstmalig, wie sich die Gene auf diese Belohnungsverarbeitung auswirken.
Die Forscher beobachteten mehr als 100 gesunde männliche Versuchspersonen beim Glücksspiel und registrierten ihre Hirnaktivität mit einer Kernspintomographie. Geldgewinne lösten im allgemeinen in den Hirnregionen des Belohnungssystems eine deutliche Zunahme der Aktivität aus: Je höher und wahrscheinlicher der Gewinn war, umso aktiver wurde das Gehirn.
Die Suche nach ReizenBei einigen Versuchspersonen reagierte das Gehirn jedoch nur schwach auf die Belohnungen. Sie wiesen einen hohen Messwert für das so genannte Sensation Seeking auf. Dieses Verhalten bedeutet, dass die Menschen eher neue und aufregende Reize suchen, und es wird auch bei Suchtkranken beobachtet. Wie sich herausstellte, trugen diese Probanden in ihrem Erbgut eine bestimmte Kombination von jenen Genen, die an der Regulierung des für die Auslösung von Glücksgefühlen zuständigen Botenstoffs Dopamin beteiligt sind.
Für endgültige Erkenntnisse seien aber noch weitere Untersuchungen nötig, hieß es. «Ein interessanter nächster Schritt wäre es, diese Untersuchungen auch bei Suchtpatienten durchzuführen und sie mit den Gesunden zu vergleichen», erklärte der Leiter des Hamburger Forschungsteams, Christian Büchel. (AP)