netzeitung.deWas Orang Utans wollen

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Activity im Gehege: Orang Utans im Tierpark Hagenbeck (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Activity im Gehege: Orang Utans im Tierpark Hagenbeck
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Menschenaffen sind in ihrem Sozialverhalten ihren menschlichen Verwandten ganz nah. Um sich verständlich zu machen, bedienen sie sich oft pantomimischer Darstellungen.

Orang Utans können nicht nur wie Menschen gezielte Strategien zur Lösung eines Problems anwenden, sie können auch mit Gesten kommunizieren und so auf ihr Gegenüber eingehen. Wie Wissenschaftler der St. Andrews Universität in Schottland beobachtet haben, ähnelt die Kommunikation dieser Menschenaffen pantomimischen Darstellungen.

In der Studie, die im Journal Current Biology (DOI: 10.1016/jcub.2007.06.069) veröffentlicht wurde, vermuten die Autoren, dass alle Menschenaffen in dieser Art kommunizeren. «Wenn wir Menschen kommunizieren, nutzen wir unser Wissen darüber, was unser Kommunikationspartner weiß und was er nicht automatisch weiß», sagt einer der Autoren Richard Byrne. «Wir wollten herausfinden, ob Menschenaffen, die in ihrer Kommunikation ebenfalls sehr flexibel sind, das gleiche tun.»

Banane oder Sellerie
Das Experiment wurde mit sechs weiblichen Orang Utans durchgeführt, die in Gefangenschaft aufgewachsen sind. Ein Pfleger hatte für die Affen leckere Bananen und etwas langweiligeren Sellerie zur Auswahl. An beide Arten Futter konnten die Affen nur durch den Pfleger gelagen.

Die Affen gestikulierten, um die Aufmerksamkeit des Pflegers zu erregen, damit dieser ihnen ein Leckerli geben sollte. Dem Pfleger waren drei Möglichkeiten zu reagieren vorgegeben: Entweder gab er dem Tier die Banane oder er gab ihm den langweiligen Sellerie, oder er gab ihm nur einen Teil der Banane. Die Forscher um Byrne zeichneten die Reaktionen der Affen auf.

Auch wilde Orangs gestikulieren
Wenn die Affen die Bananen bekamen, waren sie zufrieden und das Experiment beendet. Wenn der Pfleger allerdings vortäuschte, nicht verstanden zu haben, und dem Affen das falsche Futter gab, vermied dieser die ursprüngliche Geste und versuchte es mit einer anderen, wie Byrne erklärte. Als der Pfleger den Orangs ein Teil der Bananen gab, wiederholten diese dagegen die ursprüngliche Geste und verstärken sie deutlich, um alle Bananen zu bekommen.

Die Orang Utans berücksichtigten also die Reaktionen des Pflegers und reagierten darauf. Richard Byrne vergleicht dieses Verhalten mit dem bekannten Scharadespiel Activity: «Es geht darum, clever in Gestik und Mimik zu sein, aber auch darum, aufzupassen, was die Mitspieler erraten um dann die Gesten anzupassen.»

Diese Form der Kommunikation haben die Forscher bisher nur bei Affen, die in Zoos aufgewachsen sind, beobachtet. Byrne vermutet aber, dass auch wild lebende Primaten auf diese Weise kommunizieren. (nz)