netzeitung.deGrüne Feinstaubfilter auf der Autobahn

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Zukunft Autobahn: Moose tilgen Feinstaub Fotomontage: Prof Frahm; Uni Bonn (Fotomontage: Prof Frahm<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Zukunft Autobahn: Moose tilgen Feinstaub Fotomontage: Prof Frahm; Uni Bonn
Fotomontage: Prof Frahm
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

In Bonn sollen Moosmatten zur Fahrbahnrand-Begrünung eingesetzt werden. Die Pflanzen wirken laut Forschern wie ein Microfaser-Staubtuch.

Forscher der Universität Bonn wollen gefährliche Feinstäube mit Moosen tilgen. Wie ein biologisches Mikrofaser-Staubtuch schlucken die Pflanzen große Mengen der gefährlichen Luftpartikel. Viele Abgas-Bestandteile dienen ihnen sogar als Nahrung; andere werden durch Bakterien abgebaut, die auf den Moosblättchen leben. In Bonn sollen die natürlichen Luftfilter nun erstmals auch zur Straßenbegrünung eingesetzt werden, wie die Universität Bonn am Donnerstag mitteilte. Feinstaub kostet nach Schätzungen der EU-Kommission jährlich 300.000 Europäer das Leben.

Es ist eine Kombination aus Eigenschaften, die Moose zum Feinstaub-Killer machen. Zum einen ist da ihre riesige Oberfläche: «Ein Moospolster von einem Quadratmeter Größe hat fünf Millionen kleinste Blättchen», rechnet der Bonner Moosforscher Jan-Peter Frahm vor.

«Feinstaub wird zur Biomasse»
«Jedes dieser Blättchen zieht manche Mikropartikel aus der Luft magisch an. Dazu zählen unter anderem Ammoniumionen, die durchschnittlich 40 Prozent des Feinstaubes ausmachen. »Das Ganze funktioniert elektrostatisch», sagt Frahm. «Die Moosoberfläche ist negativ geladen, ein Ammoniumion dagegen positiv.» Nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren übrigens die beliebten Mikrofaser-Staubtücher.

Moose halten laut Frahm die gefährliche Partikelfracht nicht nur fest - sie nehmen den Staub sogar über ihre Blätter auf und verdauen ihn. Denn Ammonium ist ein wichtiger Nährstoff, den die unscheinbaren Pflanzen zum Wachstum benötigen. Andere Bestandteile des Staubs werden von Bakterien genutzt, die auf den Moosblättchen leben. «Feinstaub wird zu Biomasse», kommentiert Frahm trocken.

Labortests erfolgreich
Im Labor haben er und sein Kollege Marko Sabovljevic bereits zeigen können, wie gut das Ganze funktioniert. Dazu kippten sie Blei- und Bariumstaub auf verschiedene Moospolster. Nach einigen Stunden Wartezeit wurden die Pflanzen gewaschen. Aus der Staubmenge im Waschwasser konnten die Forscher so das Bindevermögen der Pflanzen berechnen.

«Bis zu 20 Gramm Feinstaub nahmen Moospolster von einem Quadratmeter Größe bei dieser Prozedur auf», sagt Sabovljevic. An einer viel befahrenen Straße rieseln jährlich nur 14 Gramm Feinstaub pro Quadratmeter zu Boden. Entscheidend für die Luftreinigung ist allerdings, dass die Feuchte stimmt. Trockenes Moos entfaltet kaum Wirkung, zu nass sollte es aber ebenfalls nicht sein.

Kostengünstiger Staubfresser
In Bonn werden nun die Laborergebnisse in die Praxis umgesetzt. Ein Anschlussstück zur Bundesautobahn 562 soll demnächst mit Moosen begrünt werden. »Inzwischen ist es möglich, dazu fertige Moosmatten zu verwenden«, erklärt Jan-Peter Frahm. Ursprünglich sind die Matten zur Dachbegrünung entwickelt worden - unter anderem aus dem Kalkül, man könne mit diesen natürlichen Luftbefeuchtern das lokale Klima in den Innenstädten verbessern.


Frahm hebt einen weiteren Vorteil der unscheinbaren Pflanze hervor: »Moose brauchen nicht viel Pflege, durch ihre Wartungsarmut werden sie für Autobahnmeistereien zusätzlich attraktiv.« (nz)