Mit Fossilien und Koran gegen Evolutionstheorie
«Der Mythos der menschlichen Evolution hat keinerlei wissenschaftliche Grundlage», behauptet Oktar. Hunderte Bilder von Fossilien in seinem Atlas sollen beweisen, dass Gott alle Arten schon in ihrer endgültigen Form erschaffen habe. Dabei predigt er keine Schöpfung in sechs Tagen wie einige christliche Gruppen. Aber eine Entwicklung - etwa vom Affen zum Menschen - ist für ihn undenkbar. «So wie uns heute die Religion von Menschen, die Krokodile anbeten, absurd und unmöglich erscheint, so unglaublich sind die Überzeugungen der Darwinisten.»
Der 1956 geborene Oktar ist ein Vielschreiber. Mehr als hundert Werke soll er verfasst haben. Fleißige Anhänger übersetzten viele davon - auch der Schöpfungs-Atlas mit vielen Koranzitaten wurde in mehreren Sprachen gedruckt. Webseiten, Verlage und ein «Wissenschaftliches Forschungsinstitut» in der Türkei verbreiten seine Ansichten. Vermutet wird, dass Oktar von Gönnern unterstützt wird.
In der Türkei wurden der Zeitung «Hürriyet» zufolge 20.000 Schöpfungs-Atlanten an Biologielehrer verschickt. Alaaddin Dincer, Vorsitzender der türkischen Lehrergewerkschaft, erklärte: «Der Atlas soll Lehrer beeinflussen, die die Evolutionstheorie lehren. Schülern soll er weismachen, dass die Evolution eine unbewiesene Theorie sei.» In Frankreich erhielten viele Gymnasien den Wälzer. Aufgeschreckt verlangte das Pariser Bildungsministerium, dass das Werk im Unterricht nicht verwendet werde. Auch in Deutschland erhielten Lehrer das Buch.
Oktar ist in seiner Heimat höchst umstritten. So bezeichnet Dincer die Thesen des Autors als «rückständiges Geschwätz». Dieser lässt sich davon nicht beeindrucken. «Ergebene Muslims waren immer im Verlauf der Geschichte grundlosen Anschuldigungen ausgesetz», erklärt Oktar im Internet. Sein Pseudonym ist Programm: Harun und Yahya - in der Bibel Aaron und Johannes der Täufer - sind im Islam zwei Propheten, die mutig für ihren Glauben eintraten. Für seine Überzeugungen will Oktar auch weiterhin eintreten - der vorliegende «Atlas der Schöpfung» soll nur der erste von sieben Bänden sein. (Andreas Gorzewski, epd)

