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Elefantenfleisch begehrter als Elfenbein

07. Jun 2007 12:51
Waldelefanten im zentralafrikanischen Kongo
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Nicht die Jagd nach Elfenbein gefährdet die Waldelefanten Zentralafrikas. Der Handel mit dem Fleisch der Tiere ist derart profitabel, dass auch Regierungsvertreter mitmischen.

Wenn internationale Tierschützer über Elefanten reden, ist Elfenbein das zentrale Thema - so auch jetzt bei der Haager Konferenz zum Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen (CITES). Doch die Waldelefanten Zentralafrikas sind vor allem wegen ihres Fleisches im Visier der Wilderer. Je länger die Regierungen diesem Treiben zuschauen, desto stärker ist der zentralafrikanische Waldelefant vom Aussterben bedroht, wie der Schweizer Wildtierfotograf Karl Ammann betont.

Ammann hat in Begleitung eines Journalisten der Nachrichtenagentur AP und eines Reporters der Sendung «Rundschau» des Schweizer Fernsehens dokumentiert, wie Elefantenfleisch an der Grenze zwischen der Zentralafrikanischen Republik und der Demokratischen Republik Kongo geschmuggelt und gehandelt wird. In Zentralafrika erhält ein Wilderer umgerechnet gut 130 Euro für die Stosszähne eines Elefanten, aber bis zu 4450 Euro für das Fleisch. Dieses wird im Busch auf Holzrosten während eines ganzen Tags geräuchert und erhält so eine verkohlte Kruste, bevor es auf die lokalen Märkte gebracht wird.

Zehn Euro für ein Kilogramm Elefantenfleisch

Stoßzähne getöteter Elefanten
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In der zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui werden fast zehn Euro für ein Kilogramm geräuchertes Elefantenfleisch bezahlt - mehr als für jedes andere Fleisch, einschließlich Rind- und Schweinefleisch. Für ein Kilogramm Elfenbein erhält ein Wilderer etwa 22 Euro. «Das Wildern der Elefanten in den Wäldern Zentralafrikas hat vor allem das Fleisch zum Ziel, während Elfenbein ein Nebenprodukt geworden ist», gibt sich der Wildtierfotograf, Ökonom und Artenschutzaktivist Ammann überzeugt. Das Wildern sei hier auch stärkerer verbreitet als im Süden und Osten Afrikas. Die Waldelefanten in Zentralafrika sind kleiner und dunkler als ihre Artgenossen in den Savannen im Süden und im Osten. Ihre Stosszähne sind weniger gekrümmt, und die Ohren haben eine ovalere Form.

Die Waldelefanten sind von Guinea bis nach Uganda verbreitet, konzentrieren sich aber vor allem auf das Kongo-Becken. Sie leben in kleinen Gruppen im dichten Regenwald. Experten schätzten die Population im Kongo-Becken im Jahre 1989 auf etwa 172.000 Tiere. Eine im vergangenen April veröffentlichte Studie kam zum Schluss, dass eine Kombination von Wildern und anderen Störungen seitens des Menschen Anzahl und Verbreitung seither nachhaltig beeinträchtigt hat.

Zu arm für Artenschutz

Armut und Kriege prägen die Region des Kongo-Beckens. Das Durchschnittseinkommen eines Bewohners beträgt etwa 70 Cent pro Tag. Die Menschen, die in den Wäldern leben, sind so arm, dass sie keine Zeit haben, an den Artenschutz zu denken, wie Andrea Turkalo, eine Forscherin im Dzanga-Sanga-Nationalpark, betont: «Dieses Land ist nicht in der Lage, Gesundheits- Einrichtungen zu führen, es kann seine Kinder nicht erziehen. Wie soll man erwarten, dass sich die Menschen um den Artenschutz kümmern?» Die Schaffung des Dzanga-Sanga-Nationalparks und das Verbot der Elefantenjagd hätten dazu geführt, dass seine Leute jetzt weniger Fleisch zum Essen hätten, sagt Gabriel Mabele, Oberhaupt des Dorfes Mosapula. Sie wollten aber weiter Elefantenfleisch. Deshalb werde die Jagd weitergehen. Park-Wächter Omer Kokamenko beobachtet ebenfalls, dass Elefanten vor allem wegen des Fleisches gejagt würden.

Der Vorstand des Washingtoner Artenschutz-Übereinkommens hat am vergangenen Wochenende zum Auftakt der Konferenz seiner 171 Mitgliedstaaten in Den Haag den Verkauf von 60 Tonnen Elfenbein aus dem südlichen Afrika an Japan bewilligt. Es handelte sich um die dritte Ausnahme von dem 1989 beschlossenen Verbot des Elfenbeinhandels.

Nur Elfenbeinhandel im Blick

Die Konzentration internationaler Artenschutz-Gremien auf den Elfenbeinhandel übersehe aber das größere Problem des Fleischhandels, betont Ammann. Er wies nach, dass Beamte in der Zentralafrikanischen Republik und im Kongo Zölle auf den illegalen Buschfleischhandel kassierten. Solange die Regierungen nichts dagegen unternähmen, bleibe die Elefanten-Population vom Aussterben bedroht.

Der Handel mit Elefantenfleisch sei derart profitabel, dass auch Regierungsvertreter hinter dem organisierten Wildern stünden, berichtet Desire Loa, ein ehemaliger Park-Wächter und heutiger Wilderer. Die Beamten heuerten Pygmäen an und rüsteten diese mit Gewehren aus. Wenn man erwischt werde, wandere man für eine Nacht ins Gefängnis. «Dann geben sie Dir Dein Gewehr wieder und sagen: Geh zurück an die Arbeit!» (Chris Tomlinson/dpa)

 
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