30.05.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Zum Überleben des Jungen notwendig: Stammzellen
Foto: M. William Lensch, Harvard Medical School
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Ganz bestimmte Stammzellen braucht ein schwedischer Junge, um gesund zu werden. Die Regierung genehmigte jetzt die dafür notwendige Auslese bei künstlich befruchteten Eizellen.
Schwedische Behörden haben erstmals die Genehmigung für eine Embryonen-Auslese gegeben, um einen todkranken Jungen durch Blutstammzellen zu retten. Wie die Eltern des vierjährigen Felix in Stockholmer Zeitungen bestätigten, soll die Mutter nach einer künstlichen Befruchtung einen ausgewählten Embryo austragen, dessen Gewebetyp zu dem ihres Sohnes passt und ihm das Überleben sichern könnte. Die Geburt eines solchen «Designer-Babys» in Großbritannien hatte vor vier Jahren bereits für Diskussionen gesorgt. In Deutschland ist jede genetische Untersuchung von Embryonen vor dem Einsetzen in die Gebärmutter verboten.
Unmittelbar nach der Geburt des schwedischen Kindes sollen Stammzellen aus dessen Nabelschnurblut entnommen und Felix bei Ausbruch seiner seltenen, vererbten Stoffwechselkrankheit gegeben werden. Bei dieser zunächst nur als genetische Anlage diagnostizierten Krankheit ist der Körper nicht mehr im Stande, Fette abzubauen. Das Fett sammelt sich im Gehirn und führt nach schwersten neurologischen Behinderungen unweigerlich zum Tod. Ein älterer Sohn des Ehepaares, der elf Jahre alte Matthias, ist durch dieselbe Krankheit bereits blind, taub und stumm.
«Wir sind unglaublich glücklich über die Genehmigung für das Gen- Kind», zitiert das «Svenska Dagbladet» den Vater. Den nach künstlicher Befruchtung und Gentests zum Ausschluss von Krankheitsträgern sowie der Ermittlung des richtigen Gewebetyps auszutragende Embryo betrachte man keineswegs als «Ersatzteillager». Er sei genauso ein Geschenk wie Matthias und Felix, so der Vater weiter. Ob die Stammzellen des Babys den Bruder wirklich retten können, ist allerdings nicht sicher.
Neues GesetzZusammen mit dieser Familie haben erstmals in Schweden auch zwei weitere Elternpaare von den Sozialbehörden die Genehmigung zum Austragen von «maßgeschneiderten» Embryonen zur Behandlung lebensbedrohlicher Erbkrankheiten bekommen. Ein entsprechendes Gesetz war im vergangenen Sommer verabschiedet worden.
Mehrere führende schwedische Mediziner äußerten sich dennoch kritisch. Britt-Marie Frost, Chefärztin am Universitätskrankenhaus in Uppsala, stellte neben den ethischen Bedenken auch die Frage, ob im Fall von Felix alle weltweit vorhandenen Spenderregister ausgeschöpft worden seien.
Die Stammzellen aus der Nabelschnur des 2003 in Großbritannien geborenen «Designer-Babys» sollen ein krankes Geschwisterkind retten, das an der seltenen Blutkrankheit Diamond-Blackfan-Anämie leidet. Die Eltern hatten damals noch die Auswahl des passenden Embryos in den USA vornehmen lassen, um rechtliche Probleme in ihrem Heimatland zu umgehen. Inzwischen hat Großbritannien die Bestimmungen zur Schaffung von «Designer-Babys» zur Behandlung nicht anders heilbarer Geschwister gelockert. (dpa)