01.06.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Aufrecht auf Nahrungssuche: Orong-Utans
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Nach gängiger Vorstellung eroberten die Vorfahren des Menschen auf zwei Füßen die Savanne. Doch schon ursprünglichere Tiere hatten etwas vom aufrechten Gang, sagen Forscher.
Orang-Utans bewegen sich im Kronendach der Wälder häufig auf ihren Füßen fort, beobachteten Forscher. Im aufrechten Gang sammeln sie Früchte im Außenbereich der Baumkronen und überwinden Lücken im Geäst. Der so genannte Bipedalismus ist keine typisch menschliche Entwicklung, sagen die Wissenschaftler nun.
«Im Kronendach auf zwei Füßen gehen zu können ist eine sehr nützliche Anpassung», sagt Susannah Thorpe. Die Biologin von der britischen
University of Birmingham hat die Menschenaffen über ein Jahr im
Gunung Leuser National Park auf der indonesischen Insel Sumatra beobachtet. Anhand ihrer Notizen hat sie nun mit Kollegen geprüft, ob der aufrechte Gang auch für die Orang-Urtans von Vorteil ist.
Diese Menschenaffen verbringen fast ihr gesamtes Leben im Kronendach des Waldes wie die frühen Vorfahren des Menschen und seiner Verwandten Schimpanse und Gorilla. Diese affenartigen Wesen haben nach der so genannten Savannen-Hypothese die Bäume verlassen, um auf dem Boden nach Nahrung zu suchen, zunächst auf allen vieren. Bei Schimpansen und Gorillas entwickelte sich im Laufe der Evolution der Knöchelgang, bei dem sie auf ihren Füßen gehen und sich auf den Knöcheln ihrer Finger abstützen.
Nur bei Menschen habe die Entwicklung zum aufrechten Gang geführt so die gängige Vorstellung. Paläontologen unterscheiden an diesem Merkmal zwischen Fossilien von Vorfahren des Menschen und Vorfahren der Menschenaffen. Doch diese Unterscheidung ist nicht unumstritten. «Unsere Ergebnisse verwischen diese Grenze noch mehr», sagt Robin Crompton, der leitende Forscher.
Bei 3000 dokumentierten Bewegungen der Tiere im Geäst gingen die Orang-Utans besonders häufig auf dünnen Ästen aufrecht. Mit ihren beweglichen Füßen greifen sie teils mehrere Zweige, während sie sich mit den Händen an anderen festhalten oder Früchte pflücken. Auf mittelstarken Ästen setzen sie die Arme stärker ein, um ihr Gewicht zu tragen und bewegen sich auch hängend fort. Nur auf den größten Ästen bewegten sie sich auf allen vieren, berichten die Forscher.
«Der Bipedalismus wird genutzt um sich auf den dünnen Ästen fortzubewegen, wo die süßesten Früchte sind», sagt Thorpe. Aufrecht stehend könnten die Orang-Utans auch größere Zwischenräume im Kronendach überbrücken. Diese Fähigkeit könnte auch den Vorfahren des Menschen genutzt haben, als der Regenwald in Ostafrika wegen klimatischer Veränderungen lichter wurde. Als sie die Baumkronen schließlich verließen, hätten sie den aufrechten Gang beibehalten, vermuten die Forscher, und Nahrung vom Boden und von niedrigeren Pflanzen aufgenommen.