03. Mai 2007 10:49
Manch Meise geht lieber auf Nummer sicher, andere zeigen sich erkundungsfreudiger. Welche Risiken die Vögel eingehen, ist auch eine Frage der Erbanlagen, berichten Forscher.
Die Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen haben gemeinsam mit neuseeländischen und niederländischen Kollegen das Erkundungsverhalten von Kohlmeisen (Parus major) untersucht, die gerade flügge geworden waren. Die Biologen haben gemessen, wie lange es dauerte, bis die Vögel den vierten von fünf Plätzen auf gekreuzten Sitzstangen aufgesucht hatten. In einem weiteren Verhaltenstest beobachteten sie die Reaktion auf unbekannte Objekte, etwa eine Gummifigur von Paulchen Panther, die auf eine Futterschale gesetzt wurden.Besonders erkundungsfreudig zeigen sich Vögel, die eine bestimmte Variante des Gens Drd4 tragen, berichtet das Forscherteam in der Zeitschrift «Proceedings of the Royal Society London B». Nach diesem Gen wird ein Rezeptor von Hirnzellen produziert, an dem der Botenstoff Dopamin andockt.
Frühere Untersuchungen hatten bereits vermuten lassen, dass genetische Unterschiede, die sich auf die chemische Nachrichtenübermittlung im Gehirn auswirken, auch die Persönlichkeit beeinflussen. Nun haben die Forscher nachgewiesen, dass ein einziger Baustein des Erbgutmoleküls DNA aus eher ängstlichen neugierige Meisen macht. Bei Vögeln mit der Variante SNP830 ist das Erkundungsverhalten deutlicher ausgeprägt als bei ihren Artgenossen mit anderen Varianten. Diesen Zusammenhang bestätigten auch Untersuchungen an frei lebenden Vögeln.
Die Forscher wollen nun untersuchen, wie sich die Träger der unterschiedlichen Genvarianten in der Natur behaupten, wie sich die evolutionäre Auslese auf das Gen Drd4 und die Vogelpersönlichkeiten auswirkt. «Die Persönlichkeit kann Einfluss darauf nehmen, wie Individuen Umweltänderungen bewältigen», wird Teammitglied Bart Kempenaers in einer Mitteilung der Max-Planck-Gesellschaft zitiert.Bei Menschen ließen sich solche «Charakter-Gene» aber kaum finden. Zu viele Faktoren beeinflussten das Verhalten, sagen die Forscher. Sie ließen sich für wissenschaftliche Untersuchungen nicht ausreichend kontrollieren. (nz)