netzeitung.deForscher tricksen Blutkonserven aus

 Herausgeber: netzeitung.de

Blut im Beutel (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Blut im Beutel
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Wissenschaftler könnten helfen, den verbreiteten Mangel an Blutkonserven zu lindern - durch einen biologischen Kniff.

Forscher haben eine Methode gefunden, um die unverträglichen Bestandteile einer Blutgruppe zu entfernen. Damit könnten sich künftig auch bislang unverträgliche Blutkonserven einem Patienten übertragen lassen - etwa Blutgruppe A auf Blutgruppe B.

Forscher um Qiyong Liu vom Biotechnik- Unternehmen ZymeQuest in Beverly im US-Staat Massachusetts stellen die Technik im Fachjournal «Nature Biotechnology» vor. Sie ist allerdings noch nicht klinisch getestet.
Klinische Tests stehen noch aus
Blutzellen tragen an ihrer Oberfläche zahlreiche verschiedene Eiweißmoleküle. Sie definieren die Blutgruppen A, B und 0. Eine Blutspende vom Typ A kann nicht auf einen Patienten der Gruppe B (und umgekehrt) übertragen werden.

Geschieht es doch, stößt das Immunsystem des Empfängers die Spende fast augenblicklich ab - mit tödlichen Folgen. Der Blutgruppe 0 hingegen fehlen die hinderlichen Oberflächenmoleküle - Typ-0-Blut kann daher sowohl einem Patienten mit Gruppe A als auch einem mit Gruppe B gegeben werden. Viele, vor allem kleine Krankenhäuser, legen daher nur Vorräte vom Typ 0 an, von dem es häufig zu wenig gibt.

Der Gruppe um Liu gelang nun, die hinderlichen Moleküle der A- und B-Blutgruppen zu entfernen. «Wenn klinische Tests zeigen, dass die so veränderten Zellen sicher und effektiv übertragen werden können und der Prozess günstig genug ist, könnte das einen großen Schub für die Blutversorgung bringen», schreibt Geoff Daniels vom Bristol Institute für Transfusionsforschung in Großbritannien in einem Begleittext. «Wir warten mit Spannung auf die Resultate.»

Enzyme in großer Menge
Die Gruppe um Liu suchte in zahlreichen Bakterien nach Enzymen, die die Oberflächenmoleküle der A- und B-Zellen entfernten. Fündig wurden sie schließlich in den Bakterien Elizabethkingia meningosepticum und Bacteroides fragilis.

Die Forscher produzierten diese Enzyme künstlich in großer Menge und gaben sie in ihren Experimenten zu jeweils 200 Millilitern Blut. Nach einer Stunde fanden sich keine störenden Moleküle mehr auf den roten Blutkörperchen, heißt es in «Nature Biotechnology». (dpa)