netzeitung.deNach großen Haien schwinden Schalentiere

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Bullenhaie ernähren sich zu fast einem Drittel von kleineren Haien und Rochen. (Foto: Klaus Jost - www.jostimages.com<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Bullenhaie ernähren sich zu fast einem Drittel von kleineren Haien und Rochen.
Foto: Klaus Jost - www.jostimages.com
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Große Haifischarten sind wegen ihrer niedrigen Fortpflanzungsrate besonders durch Überfischung bedroht. Wurden sie dezimiert, verändert sich das Ökosystem.

Der Rückgang großer Haiarten im Nordwestatlantik hat die Muschelfischerei in den Küstengewässern des US-Bundesstaats North Carolina zerstört. Weil die Räuber am Ende der Nahrungskette fehlen, können sich die Austern- und Jakobsmuschelbänke nicht erholen, berichten US-amerikanische und kanadische Wissenschaftler.

Das Forscherteam um Ransom Myers von der Dalhousie University im kanadischen Halifax hat die Ergebnisse zwölf Studien ausgewertet, in denen die Fischbestände an der US-Ostküste untersucht wurden. Myers hatte im Jahr 2003 berichtet, dass die Bestände von Großfischarten in den Weltmeeren seit den 80er-Jahren um rund 90 Prozent abgenommen haben.

Wie das Forscherteam um den Fischereibiologen jetzt im Magazin «Science» berichtet, wurden die großen Haifischarten im Nordwestatlantik noch stärker dezimiert: Tiger- und Bogenstirn-Hammerhaie um 99 Prozent, Bullen-, Schwarz- und Glatte Hammerhaie um 97 Prozent. Sämtliche im Gebiet vorkommenden Großhaiarten sind in den vergangenen 35 Jahren seltener geworden.

Die Bestände kleiner Haie und Rochen, die zum Beutespektrum der großen Haie gehören, haben dagegen zugenommen, fanden die Forscher. So sei der Bestand von Kuhnasenrochen in den Gewässern auf rund 40 Millionen Tiere angewachsen. Die Rochen ernähren sich unter anderem von Schalentieren. Im Jahr 2004 hätten sie die Bänke von Austern und Jakobsmuscheln praktisch kahl gefressen.

«Die Rochen verhindern vielleicht auch, dass sich die Bestände der Schalentiere von Überfischung, Lebensraumzerstörung, Krankheiten und Umweltverschmutzung erholen», wird Charles Peterson, einer der Forscher, in einer Mitteilung der University of North-Carolina in Chapel Hill zitiert.

Ökologen haben vorausgesagt, dass der Rückgang der größten Räuber sich negativ auf einen Lebensraum auswirken wird. «Dies ist die erste veröffentlichte Feldstudie, die zeigt, dass der Verlust der Haie kaskadenartige Auswirkungen auf Meereslebensräume hat», sagt Ellen Pikitch aus Myers Team. Der Zusammenbruch der Muschelfischerei sei aber nicht vorausgesehen worden. Das unterstreiche, dass das Fischerei-Management das gesamte Ökosystem berücksichtigen müsste.

Für das Web ediert von Patrick Eickemeier