Treibhausgas soll unterirdisch gelagert werden
27. Feb 2007 16:06
 |  RWE-Braunkohlekraftwerk in Niederaußem | Foto: dpa |
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In der Nähe von Potsdam hat der Bau einer unterirdischen Lagerstätte für Treibhausgas begonnen. Umweltschützer sehen darin aber kein Heilmittel gegen den Klimawandel.
Die Idee klingt einfach, die Umsetzung ist jedoch kompliziert: Statt das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre zu blasen, soll es gleich nach seiner Entstehung bei der Energieerzeugung in Kohlekraftwerken aufgefangen und unterirdisch gespeichert werden. Schon länger arbeiten Wissenschaftler an dieser Methode, um so zur Eindämmung der Erderwärmung beizutragen. Das europäische Pilotprojekt dazu befindet sich im brandenburgischen Ketzin, westlich von Potsdam. Am Dienstag begannen dort symbolisch die Bohrungen. Um das Verfahren zu testen, werden Bohrlöcher bis zu 800 Meter tief in die Erde getrieben. In den vergangenen Monaten hatten die Wissenschaftler bereits den Untergrund auf seine Eignung für die CO2-Speicherung untersucht. Ergebnis: Eine Salzwasserlösung in tief liegendem porösen Sandstein könnte das CO2 aufnehmen, eine darüber liegende Tonschicht soll für die Abdichtung nach oben sorgen. «Bisher ist leider noch niemanden etwas besseres eingefallen, was man mit dem CO2 tun kann, als es unter der Erde zu speichern», sagt Rolf Emmermann, Chef des Geoforschungszentrums Potsdam (GFZ).
Forscher halten Verfahren für ungefährlich
Durch eine der Bohrungen sollen in den kommenden zwei Jahren 60.000 Tonnen CO2 in die Erde versenkt werden. Über die beiden anderen Löcher soll untersucht werden, wie sich das Klimagift unter den Tiefenbedingungen mit einer Temperatur von 35 Grad und einem Druck von bis zu 80 Bar in den Gesteinsschichten ausbreitet. «Wir müssen überprüfen, ob das Reservoir dicht und sicher ist», erläutert Projektleiter Günter Borm, der aber davon ausgeht, dass so gut wie nichts aus der Lagerstätte nach oben entweicht.Dafür spreche auch, das in 250 bis 400 Meter Tiefe unter der Stadt jahrzehntelang große Mengen russisches Erdgas in ähnlichen Gesteinsschichten zwischengelagert wurde. Außerdem drohe keine Gefahr, weil CO2 für Lebewesen ungiftig sei. Drei Jahre lang haben die Forscher Vorarbeit geleistet, bevor die riesige mobile Bohrmaschine nun angeworfen werden konnte.
Stromkonzerne treiben Planungen voran
Die Forschungen sind ein europäisches Pilotprojekt, an dem Institutionen aus zehn Ländern beteiligt sind. Sie werden mit 35 Millionen Euro von der Europäischen Union gefördert. Unter anderem arbeitet das GFZ mit dem Energiekonzern Vattenfall zusammen. Das schwedische Unternehmen hat im südbrandenburgischen Schwarze Pumpe mit dem Bau eines Braunkohlekraftwerkes begonnen, in dem die Kohle im so genannten Oxyfuel-Verfahren mit einem Gemisch aus reinem Sauerstoff und Rauchgas verbrannt werden soll.Das dabei entstehende reine Kohlendioxid soll noch während des Brennprozesses gebunden, verflüssigt und dann in eine Lagerstätte unter der Erde transportiert werden. Die 50 Millionen Euro teure 30-Megawatt-Anlage soll 2008 in Betrieb gehen. Andere Energieversorger experimentieren mit ähnlichen Techniken. Bei Eon
und RWE
etwa soll das CO2 über eine Umwandlung der Kohle in ein Synthesegas schon vor der Verbrennung abgetrennt werden. Schon 2011 will Eon auf diese Weise Strom produzieren.
CO2-Versenkung nur «Übergangslösung»
Für die Konzerne würde sich das Vorhaben rechnen: Sie könnten künftig die Ausgaben für Zertifikate zur CO2-Emmission sparen, deren Kosten langfristig steigen werden. Mit dem Handel hatten die Industriestaaten im Koyoto-Protokoll Anreize zur Senkung des CO2-Ausstoßes schaffen wollen. GFZ-Chef Emmermann weist aber darauf hin, dass die CO2-Versenkung allenfalls Zeit verschafft, um CO2-freie Energietechnologien zu entwickeln und einzuführen. «Das ist eine Übergangstechnologie, die nicht ewig angewendet werden kann», sagt er. Denn das Verfahren, das ohnehin nicht vor 2015 marktreif ist, sei energieintensiv und teuer. Auch Umweltschützer sehen die CO2-Einlagerung kritisch. «Eine Lösung gegen die Erderwärmung ist das nicht», sagte Matthias Seiche vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Greenpeace-Expertin Gabriela von Görne ergänzt, dass außerdem der Braunkohletagebau langfristig weiter die Umwelt zerstöre. (AP)