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Bye, bye Dinosaurier (III)

02. Mrz 2007 11:48
Das waren Zeiten, als es noch Schnee und Dinos gab!
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Den Klimawandel kann keiner mehr klein reden. Einheitlich sind die neuen Erzählungen dennoch nicht, wie Maik Söhler im dritten Teil seines Artikels zeigt.

Von der einst so wirkungsmächtigen Erzählung, der Klimawandel sei nur ein Gespinst oder sogar ein Vorteil für die Menschheit, ist nichts übrig geblieben. Die andere, klarere Erzählung von der Bedrohung der Welt durch selbst geschaffene Probleme hat eindeutig gewonnen.

Und genau hier beginnt nun ein neuer Streit um Deutungshoheit und Hegemonie zwischen unterschiedlichen Erzählungen. Die eine, strahlender Sieger aus dem letzten Kampf, kennen wir nun gut. Sie war im Recht und musste sich gegen die Dinos einfach durchsetzen. Weil sie nun aber so alleine, so unverblendet von der Hässlichkeit ihres einstigen Konkurrenten dasteht, sehen wir sie uns zum ersten Mal genauer an. Dabei merken wir schnell: Das ist ja gar keine einheitliche Erzählung.

Unterschiedliche Erzähler

Denn sie setzt sich aus verschiedenen Erzählungssträngen zusammen, die teils zueinander passen, sich teils aber auch vehement widersprechen. Ein Beispiel: Noch einig in der europäischen Front gegen die Vertreter der alten Schule sowie gegen die Kyoto-Verweigerer erzählt die Bundeskanzlerin Angela Merkel (zur Erinnerung: ehemalige Umweltministerin unter Helmut Kohl) jetzt etwas völlig anderes als beispielsweise der SPD-Umweltpolitiker Hermann Scheer.

Wo sie «die von der EU-Kommission vorgeschlagenen Pläne für eine generelle Verringerung des CO2-Ausstoßes für alle Neuwagen verhindern» und auch mit den Energiekonzernen eng zusammenarbeiten will, ist die Differenz zu Scheer unüberbrückbar. In seinem Buch «Energieautonomie» (2005) heißt es empört über die Energiewirtschaft, sie dürfe «wie selbstverständlich ihr eigenes Interesse mit dem der Gesellschaft gleichsetzen. Auch wenn sie privatwirtschaftlich organisiert ist, spielt sie quasi die Rolle eines Staatsorgans.»

Kreuz und quer

Ein anderes Beispiel: Wer früher seine Stimme erhob, um sich für den Atomstrom einzusetzen, musste fast zwangsläufig einer der üblichen Verdächtigen aus den konservativen Parteien oder den großen Energieunternehmen mit Beteiligung des Staates oder der Bundesländer sein.

Seit neuestem aber kann es sich auch um einen alten Recken aus der Ökologiebewegung handeln, den legendären Begründer der «Gaia-Hypothese» James Lovelock zum Beispiel.

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Vor knapp drei Jahren propagierte er erstmals: «Nuclear Power ist the only green solution» - dem drohenden Klimakollaps durch zu hohe CO2-Emissionen sei die Nutzung der Atomenergie trotz aller Gefahren auf jeden Fall vorzuziehen. Heute werden seine Worte so oft zitiert wie nie zuvor und zwar von jenen, die Lovelock einst bekämpften.

Neue Bündnisse, neue Konkurrenz

Mit oder ohne Kernenergie, das Klima wird wärmer. Aber es betrifft nicht alle in gleicher Weise. Der globale Süden dürfte schlechter abschneiden als der Norden; Küstengebiete wird es vermutlich härter treffen als Binnenländer. Hier können deswegen neue Bündnisse und Partnerschaften entstehen – politisch, wirtschaftlich, technologisch. Doch angesichts der knapper werdenden fossilen

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Ressourcen sind auch neue Gegnerschaften, Konflikte, vielleicht sogar Kriege möglich. Schon jetzt konkurriert halb Europa um russische Gas- und Öllieferungen, und die halbe Welt um die Reserven am Golf. Auch der Wettlauf um die wissenschaftlich-technologische Erschließung regenerativer Energieformen ist bereits in vollem Gange.

Weder das Klima noch die Energieressourcen halten sich an Staatsgrenzen oder von Menschen geschaffene Freund-Feind-Schemata. Die Unübersichtlichkeit und Komplexität der Welt war bisher schon groß, und sie wird durch den Klimawandel nicht kleiner werden.

Danke, Dinos

Die Erzählung mit dem Titel «Es wird schon nicht so schlimm sein» ist auf der Strecke geblieben. Das ist gut, wir konnten sie schon länger nicht mehr hören. Wir sollten den Dinosauriern zum Abschluss aber wenigstens kurz dafür danken, dass sie uns so lange in scheinbarer Sicherheit gewogen haben. Ohne sie sind unsere Aussichten um einiges trüber geworden.

 
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