netzeitung.deFlut bedroht Welträtsel

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Nazca-Linien in Form eines Affen (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Nazca-Linien in Form eines Affen
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Nazca-Linien: Ufo-Forscher halten sie für Landebahnen Außerirdischer, Archäologen tippen auf Opferstätten und bei GoogleEarth-Nutzern sind sie längst Kult. Nun jedoch droht den Wüstenbildern die Zerstörung.

Sie gelten als eines der größten Rätsel der Wissenschaft. Auf einer Fläche von 500 Quadratkilometern schneiden Linien durch den peruanischen Wüstenboden, mal schnurgerade, mal schwungvoll gebogen. Erst aus der Luft betrachtet, ergeben sich Figuren: Vögel, Fische und Hände, manche von ihnen mehr als 20 Kilometer lang.

Nun droht dem Weltkulturerbe nahe der Stadt Nazca die Zerstörung: Nach heftigen Regenfällen traten Flüsse über die Ufer. Schwarze Schlammfluten haben sich den Sandkunstwerken bis auf wenige Meter genähert. «Wir haben noch nie soviel Wasser durch die Wüste fließen sehen», wird ein peruanischer Pilot zitiert.

Die mysteriösen Bilder wurden erst in den 1920er Jahren erkannt. Archäologen glaubten zunächst, sie seien bei Ritualen der Nazca-Kultur (200 v. Chr. -600 n.Chr.) entstanden. Inzwischen geht man davon aus, dass es sich um Überreste der rund 500 Jahre älteren Paracas-Kultur handelt. Bis heute ist jedoch unklar, zu welchem Zweck die Linien angelegt wurden.

Forschung und Science Fiction
Mit ihrer Erforschung beschäftigte sich die deutsche Wissenschaftlerin Maria Reiche. Auf ihr Betreiben stellte die peruanische Regierung die fragilen Kunstwerke erstmalig unter Schutz. Durch Autospuren waren sie bereits beschädigt worden. Ursprünglich entstanden die Linien durch das Abkratzen der oberen Erdschicht, dem «Wüstenlack», unter dem hellere Gesteinsschichten zum Vorschein kamen. Erst 1994 erklärte die Unesco die so genannten Geoglyphen zum Weltkulturerbe.

Im Internet kann man die Linien heute mit Hilfe von Satellitenbilderdiensten betrachten. Bei Nutzern von Programmen wie GoogleEarth oder FlashEarth erfreuen sie sich großer Beliebtheit. Gibt man in das Suchfeld den Ortsnamen Nazca ein, so sind deutlich helle Linien in der umliegenden Wüste erkennbar.

Science-Fiction-Fans kennen die Nazca-Linien durch den Grenzwissenschaftler Erich von Däniken, dem die Zeichen als Beleg für seine These außerirdischen Lebens dienen. Dem Ufo-Experten zufolge handelt es sich um Landebahnen für Raumschiffe. Peruanische Kulturvölker hätten die Aliens mit Göttern verwechselt und die Bilder als vermeintlich göttliche Botschaften weiter ausgebaut.

Sonnenkalender oder Wasserlauf
Als weitaus glaubwürdiger galt lange Zeit die Theorie, es handele sich um eine Art Sonnen-Kalender.

Der Populärwissenschaftler Hoimar von Ditfurth hielt die Linien für ein Bewässerungssystem, um die Wüste mit Flusswasser zu versorgen. Archäologen hielten dagegen, als Kanäle hätten die dünnen Linien nicht genug Wasser transportieren können.

Nun scheint das Gegenteil eingetreten zu sein. Sollte die Überschwemmung steigen, könnten Luftaufnahmen auf GoogleEarth bald das einzige Überbleibsel der Kulturdenkmäler sein. (NZ/mro)