Genetisches Risiko für Autismus entdeckt
19.02.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Der Chromosomensatz des Menschen
Foto: Indigo Instruments
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Eine genetische Veranlagung für Autismus wird seit langem vermutet. Nun wurde etwas entdeckt, das für das Risiko entscheidend ist.
Es war die bisher umfangreichste Untersuchung auf genetische Risiken für Autismus. Vor fünf Jahren schlossen sich die Forscher zum Autismus-Genom-Projekt zusammen und sammelten Informationen von 1200 Familien, in denen Autismus vorkommt. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachjournal «Nature Genetics».
Frühere Untersuchungen wiesen bereits darauf hin, dass es ein genetisches Risiko für Autismus geben könnte: Tritt Autismus bei eineiigen Zwillingen auf, sind bei 60 bis 90 Prozent der Geschwisterpaare beide Kinder betroffen. Die Forscher um Bernie Devlin von der Universität Pittsburgh sammelten nun Daten von 1200 Familien, in denen mehr als zwei Fälle von Autismus vorkommen, und untersuchen sie auf genetische Besonderheiten. Zu dem Team gehörten über hundert Wissenschaftler aus 20 Ländern.
Sie entdeckten bei einigen Patienten Veränderungen in einzelnen Genen. Die Mutationen betrafen Neurexin und Neurolingin. Diese Gene sind wichtig für die Kommunikation zwischen Nervenzellen. Sie sind entscheidend dafür, wie der Botenstoff Glutamat verarbeitet wird. Eine Störung im Glutamat-Haushalt wird als Risikofaktor für Autismus gesehen, zudem spielt Glutamat eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Gehirns.
Chromosom elfAußerdem verglichen sie die Erbinformationen aller Studienteilnehmer auf Ähnlichkeiten. Dabei identifizierten die Forscher eine Region auf Chromosom elf, in der sich viele Familien glichen. Sie vermuten, dass in diesem Bereich weitere Gene liegen, die bei der Entstehung von Autismus eine Rolle spielen.
«Es wird sicherlich ein Zusammenspiel von mehreren Genen sein, daher wird diese einzelne Entdeckung nicht eine endgültige Antwort sein und auch nicht direkt zu einem Gentest führen, aber sie könnte ein entscheidender Schritt für die Entwicklung einer effektiven Behandlung sein, da sie einen Ansatzpunkt für die Entwicklung von Medikamenten liefert», sagte John Burn, Humangenetiker an der Universität Newcastle, dem Online-Dienst der BBC.
Autismus ist eine komplexe Störung des Gehirns, die in den ersten Lebensjahren beginnt. Die Kinder haben Schwierigkeiten, sich mit anderen zu verständigen und Beziehungen aufzubauen. Es gibt unterschiedlich schwere Formen von Autismus. Manche Autisten entwickeln Spezialbegabungen, meist im mathematischen Bereich.
Für das Web ediert von Stefan Nickels