netzeitung.deHirnscanner macht Entscheidungen sichtbar

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Die fMRT ermöglicht Blicke ins arbeitende Gehirn. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die fMRT ermöglicht Blicke ins arbeitende Gehirn.
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Auch wenn die Neurowissenschaftler vom Gedankenlesen noch entfernt sind: Ein erster Schritt ist getan.

Bei einem simplen Entscheidungsexperiment konnten Neurowissenschaftler erkennen, was ihre Versuchspersonen planten. Die Trefferquote lag bei 70 Prozent – immerhin 20 Prozent mehr, als man bei Zufallstreffern erwarten würde. Damit sei es zum ersten Mal gelungen, den Plan der Versuchspersonen aus ihrer Hirnaktivität vorherzusagen, berichten die Forscher im Fachjournal «Current Biology» (online vorab veröffentlicht).

John-Dylan Haynes und seine Kollegen vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften ließen die Probanden zwischen zwei Entscheidungen frei wählen. Die Versuchspersonen sollten sich zunächst vornehmen, bei einer Rechenaufgabe zwei Zahlen entweder zu addieren oder zu subtrahieren - noch bevor sie die Zahlen zu sehen bekamen und zu rechnen begannen. Dadurch stellten die Wissenschaftler sicher, dass sie bei der Messung ausschließlich die Intention der Probanden aus der Gehirnaktivität herauslesen und nicht die Rechnung.

Mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanz- Tomografie (fMRT) beobachteten die Wissenschaftler die Hirnaktivität ihrer Versuchspersonen. Diese Methode liefert Bilder, ohne die Versuchspersonen mit Röntgenstrahlen zu belasten. Sind in einer Region viele Nervenzellen aktiv, wird diese Region verstärkt durchblutet. Diese verstärkte Durchblutung wird mit dem fMRT erkannt, so kann das Hirn bei der Arbeit beobachtet werden.

«Die Experimente zeigen, dass Intentionen nicht in einzelnen Nervenzellen gespeichert werden, sondern in einem räumlich verteilten Muster neuronaler Aktivität», erklärte Haynes. Für die Auswertung kombinierte ein Computer die Messungen. Der Rechner erkennt dabei die charakteristischen Aktivierungsmuster, die bei den verschiedenen Absichten auftreten. In den Experimenten stellte sich zudem heraus, dass Absichten in anderen Bereichen des Gehirns gespeichert werden als Handlungen.

Die Forscher erhoffen sich durch ihre Ergebnisse eine Verbesserung klinischer und technischer Anwendungen. So könnten computergestützte Prothesen oder Verbindungen zwischen Gehirn und Computer gelähmten Patienten das Leben erleichtern. Durch Kraft der Gedanken wäre es möglich, Prothesen oder einen Cursor auf einem Computerbildschirm zu bewegen. (nz)