netzeitung.deMensch und Magenbakterium immer vereint

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Helicobacter pylori (blau gefärbt) nistet sich in der Magenschleimhaut ein. (Foto: Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Helicobacter pylori (blau gefärbt) nistet sich in der Magenschleimhaut ein.
Foto: Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Als der erste Mensch von Afrika aus die Welt besiedelte, hatte er bereits einen treuen Begleiter: Seit etwa 58.000 Jahren besiedelt der Erreger Helicobacter pylori die menschliche Magenschleimhaut.

Mehr als die Hälfte aller Menschen sind mit dem Keim Helicobacter pylori infiziert, der für einen Großteil der Magengeschwüre verantwortlich ist. Die genetische Vielfalt des Bakteriums spiegele sich in jener des Menschen wider, berichtet ein internationales Forscherteam um Mark Achtman vom Berliner Max- Planck-Institut für Infektionsbiologie in der Online-Ausgabe des Journals «Nature».

Die Wissenschaftler verglichen Varianten in der Erbsubstanz des Menschen und des Erregers und fanden dabei Hinweise für eine parallele Evolution der beiden. Ebenso wie der Mensch teilte sich Helicobacter in verschiedene regionale Untergruppen.

Das Team von Mark Achtman nutzte bei seiner Analyse das Prinzip «Isolation durch Abstand»: Demnach unterscheiden sich einzelne Gruppen von Menschen um so stärker, je weiter sie voneinander entfernt leben und je mehr Zeit seit der Trennung ihrer Gruppen vergangen ist. Dies gilt auch für andere Lebewesen - etwa die mit dem Menschen verbreiteten Bakterien.

Genetische Spuren dieser zurückliegenden Völkerwanderung fanden die Forscher auch im Erbgut von Helicobacter. Weil der Erreger eine größere genetische Vielfalt besitzt als der Mensch, erhoffen sich die Autoren aus den Daten des Keims auf die Wanderungsbewegung des Menschen schließen zu können. So zeigen Gene von europäischen Bakterien Einflüsse aus Zentralasien, was ein Hinweis auf menschliche Einwanderer aus Asien in Europa wäre, sagen die Forscher.

«Die meisten Leute, die auf diesem Gebiet forschen, haben bereits vermutet, dass sich der Erreger gemeinsam mit dem Menschen weiterentwickelte, aber diese Arbeit ist ein guter Beleg dafür, dass es tatsächlich der Fall ist», sagte John Atherton, Professor für Gastroenterologie an der University of Nottingham, der Online-Ausgabe der BBC.

Die australischen Wissenschaftler Barry Marshall and Robin Warren entdeckten den Magenerreger und erhielten dafür 2005 den Nobelpreis für Medizin. Das Bakterium Helicobacter kann der Magensäure widerstehen, sich in der Schleimhaut einnisten und eine chronische Entzündung verursachen. Die Geschwüre können mit Antibiotika und Medikamenten, die die Magensäure blockieren, behandelt werden. (nz)