30.01.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Diese Worldmapper-Karte zeigt die weltweite Verteilung der öffentlichen Gesundheitsausgaben.
Foto: Worldmapper
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Zahlen mögen eindrucksvoll sein, doch Bilder bleiben besser hängen. Das «Worldmapper»-Projekt versammelt hunderte Weltkarten, die die ungleiche Verteilung von Schulbildung, Wirtschaftswachstum oder Krankenversorgung darstellen.
«Wir wissen, dass unsere Gesundheit nicht nur von der Anatomie unseres Körpers, sondern auch von der Anatomie der Gesellschaft abhängt, in der wir leben», sagt Danny Dorling, Geograph an der University of Sheffield in England. Und diese gesellschaftliche Anatomie hängt davon ab, in welchem Teil der Erde man lebt. Um die ungleiche Verteilung von Ressourcen und Risiken darzustellen, hat Dorling das Projekt «Worldmapper» online gestellt, das verzerrten Karten dieses Missverhältnis deutlich machen soll. Das Projekt beschreibt er in der Online-Fachzeitschrift «Plos Medicine».
Das gängige Bild der Welt wird von Karten in Mercator-Projektion bestimmt. Die Karten sind gut geeignet, um ein Schiff über den Ozean zu steuern, doch sie verzerren die Größenverhältnisse der Erdteile. Je näher eine Region am Äquator liegt, desto kleiner ist sie in der Karte. So erscheint auf Mercator-Projektionen Grönland größer als Indien.
Wird etwa die weltweite Verteilung der Malaria-Fälle mit einer Mercator-Karte illustriert, erscheint die Äquatorregion durch die Darstellung viel kleiner. Und dadurch wirkt die Region, in der viele Menschen einem hohen Malaria-Risiko ausgesetzt sind, relativ klein. Mark Newman von der University of Michigan entwickelte eine Methode, mit der spezielle Landkarten generiert werden können: Die Größe der Fläche richtet sich dabei nicht nach den tatsächlichen Quadratkilometern, sondern beispielsweise nach der Bevölkerungsdichte. Dabei werden die Silhouetten der Kontinente möglichst wenig verzerrt, so dass die Weltkarte trotz der Verfremdung noch ein vertrauter Anblick ist.
Nun haben Danny Dorling und Mark Newman gemeinsam weitergearbeitet, um mit der Methode eine Sammlung von Weltkarten zusammenzustellen, die die ungleiche Verteilung von Ressourcen und Risiken darzustellen.
Als Grundlage verwendeten sie frei zugängliche Daten der Vereinten Nationen. Herausgekommen sind 365 Karten, die sowohl alphabetisch von Alphabetisierung bis Zinkimport als auch nach Themenbereichen geordnet durchgeblättert werden können. Sie illustrieren die Verteilung von Zahnärzten, Tuberkulosefällen, Erdölexporten und Waldwachstumsraten, jeweils ausgedrückt durch eine verzerrte Weltkarte, die aber immer noch als eine Weltkarte zu erkennen ist.
Die nächsten 100 Karten, die Danny Dorling und Mark Newman produzieren wollen, sollen im Frühjahr 2007 online gehen und die Verteilung der hundert häufigsten Todesursachen illustrieren, die die Weltgesundheitsorganisation kürzlich veröffentlicht hat.
Für das Web ediert von Stefan Nickels