Hirnregion für Selbstlosigkeit entdeckt
22.01.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Hirnregion für Selbstlosigkeit entdeckt
Manche Menschen sind sehr viel weniger um ihren eigenen Vorteil bedacht als andere. Wo dieses Verhalten im Hirn verankert sein könnte, zeigen Experimente mit Computerspielern.
Altruismus ist die Eigenschaft, selbstlos zu handeln und den eigenen Vorteil nicht über den der Allgemeinheit zu stellen. Warum manche Menschen dazu neigen, ihren eigenen Vorteil zurückzustecken, ist unklar. Allerdings sind Neurowissenschaftler der
Duke University in Durham im US-Bundesstaat North Carolina dem Rätsel auf der Spur.
Die Forscher entdeckten eine Hirnregion, die bei selbstlosen Menschen aktiver ist als bei anderen, berichten sie in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift «Nature Neuroscience». Mit Hilfe von psychologischen Fragebögen schätzten die Forscher ein, wie sehr ihre Versuchspersonen zu selbstlosem Handeln neigen.
Die Aufgabe für die Versuchspersonen war einfach: Sie spielten ein Computerspiel. Je erfolgreicher sie waren, desto mehr Geld floss als Spende auf das Konto einer wohltätigen Organisation. Allerdings saßen die Spieler nicht im Sessel vor dem Bildschirm, sondern lagen in der Röhre eines Magnetresonanztomografen.
Diese Methode liefert Bilder des Körpers, ohne die Versuchspersonen mit Röntgenstrahlen zu belasten. Mit einem speziellen Verfahren, der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT), kann die Durchblutung des Gehirns sichtbar gemacht werden. Verstärkte Durchblutung bedeutet, dass gerade viele Nervenzellen aktiv sind, so kann das Hirn bei der Arbeit beobachtet werden
Die Forscher verglichen die Ergebnisse der Hirnbilder und des psychologischen Fragebogens. Je selbstloser die Versuchspersonen waren, desto aktiver war ein bestimmter Bereich der Hirnrinde. Bisher war von dieser Hirnregion im Schläfenlappen bekannt, dass sie für die Analyse von sozialen Beziehungen zuständig ist.
«Zwar wird das Verständnis dieser Hirnregion nicht erklären, was Menschen wie Mutter Theresa antreibt, aber es könnte uns Hinweise liefern, wo die Ursprünge für wichtiges soziales Verhalten wie Altruismus liegen», sagt Neurowissenschaftler Scott A. Huettel, der die Studie geleitet hat. (nz)