18.01.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Der Ton macht die Bedeutung
Nicht nur die Wörter, sondern auch die Betonung bestimmen die Bedeutung eines Satzes. Wie das Gehirn diese Information verarbeitet, haben Forscher nun herausgefunden.
Frage oder Antwort, Haupt- oder Nebensatz – oft ist es nicht die Reihenfolge der Wörter, die für den Sinn entscheidend ist. Mindestens ebenso wichtig sind die Satzmelodie, die Betonungen der einzelnen Worte. Wie das Gehirn Grammatik und Satzmelodie in Verbindung bringt, haben nun Wissenschaftler des Leipziger
Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften herausgefunden.
Um den Sinn eines Satzes zu entschlüsseln, teilen sich die beiden Hälften des Gehirns die Arbeit. Während die linke Hirnhälfte Grammatik und Wörter verarbeitet, analysiert die rechte Hälfte die Melodie. Um die Sprache zu verstehen, müssen sich beide Hirnhälften austauschen, berichtet das Team von Neurowissenschaftlerin Angela Friederici in der Fachzeitschrift «Neuron». Für die Abstimmung der Hirnhälften sorgt eine Brücke aus Nervenfasern, die beide Seiten verbindet, das
Corpus Callosum.
Das
Corpus Callosum die beiden Seiten des Gehirns nicht einfach, sondern einzelne Nervenfaserbündel verknüpfen genau definierte Bereiche der Hirnhälften. Die Neurowissenschaftler haben untersucht, wie Patienten Sprache verstehen können, bei denen verschiedene Teile dieser Verknüpfungen verletzt sind. Dabei beobachteten sie, wie Schädigungen in den unterschiedlichen Bereichen die Sprachverarbeitung beeinflussen.
Nur bei Patienten, bei denen der hintere Bereich der Brücke geschädigt ist, treten Störungen im Sprachverständnis auf. Diese Störungen lassen sich durch die mangelnde Verknüpfung von Grammatik und Satzmelodie erklären. Entscheidend für das Sprachverständnis ist also, dass die Verbindung im hinteren Bereich der Hirnhälften intakt ist.