netzeitung.deSchädel des ersten Europäers gefunden

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Die Schädelform eines modernen Menschen, aber die Wangenknochen eines Neandertalers (Foto: PNAS<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die Schädelform eines modernen Menschen, aber die Wangenknochen eines Neandertalers
Foto: PNAS
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Vor 40.000 Jahren wanderte der moderne Mensch aus Afrika in Europa ein und verdrängte den Neandertaler. Ein fossiler Schädel hat allerdings Merkmale beider Gattungen.

Wissenschaftler um Erik Trinkaus von der Washington University in St. Luis haben bei Ausgrabungen in Rumänien menschliche Fossilien gefunden. Im Fachmagazin «Proceedings of the National Academy of Sciences» berichten sie über die Rekonstruktion des Schädels. Der Schädel, Oase 2 genannt, gilt als der älteste Knochenfund eines modernen Menschen in Europa.

Die Forscher entdeckten die Schädelfragmente zwischen den Skeletten von Höhlenbären. In der Ausgrabungsstätte Pestera cu Oase, rumänisch für die Höhle mit Knochen, fanden sie bei früheren Untersuchungen bereits einen menschlichen Unterkiefer. Die Knochen wurden mit der Radiokarbonmethode auf mindestens 35000 Jahre geschätzt.

Der Knochenfund stammt aus der Übergangszeit, in der Homo sapiens aus Afrika in Europa einwanderte und den hier lebenden Neandertaler verdrängte. Die Größenverhältnisse des Schädels ähneln denen eines modernen menschlichen Schädels. Aber mit der flache Stirn, den ausgeprägten Wangenknochen und den großen Backenzähnen besitzt er auch Merkmale eines Neandertalers. «Das könnte darauf hindeuten, dass es eine Durchmischung mit Neandertalern gegeben hat, als sich der moderne Mensch in Europa ausbreitete», sagte Joao Zilhano von der englischen University of Bristol.

Diese Durchmischung ist unter Paläontologen bisher umstritten. In einer kürzlich im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlichten Arbeit plädieren die Autoren um Frederick E. Grine von der New Yorker Stony-Brook-University für die Out of Africa-Theorie. Nach dieser Theorie liegen die Wurzeln des modernen Menschen ausschließlich in Afrika, ohne dass der Neandertaler einen wesentlichen Einfluss hatte. Die Forscher schätzen das Alter eines in Südafrika gefundenen Schädels auf 36000 Jahre und verglichen ihn mit Funden aus Europa und Asien. Die große Übereinstimmung spricht nach Ansicht der Science-Autoren dafür, dass es keine Vermischung von modernem Menschen und Neandertaler gegeben habe.

Auf jeden Fall sei der Schädel Oase 2 ein deutliches Zeichen, wie sehr die menschliche Evolution in 35000 Jahren fortgeschritten ist, sagte Erik Trinkaus: «Der Schädel ist zwar schon der eines modernen Menschen, aber der Mensch, wie wir ihn heute kennen, hat sich seitdem deutlich weiterentwickelt.»


Für das Web ediert von Stefan Nickels