netzeitung.deMotten horchen nach Fledermäusen

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Motten der Hausmutter genannten Art hören gut mit einfachen Mitteln. (Foto: James Windmill<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Motten der Hausmutter genannten Art hören gut mit einfachen Mitteln.
Foto: James Windmill
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Fledermäuse können mithilfe von Ultraschallrufen Beutetiere in völliger Dunkelheit orten. Doch Motten haben eine Art Lausch-Gegenangriff gestartet.

Von Fledermäusen gejagte Motten passen ihr Gehör an die Ultraschallrufe der Räuber an. Die Insekten sind mit dieser Fähigkeit dem Angriff der Fledermäuse nicht so wehrlos ausgeliefert, wie man annahm, sagen Forscher um James Windmill von der britischen University of Bristol.

Die Wissenschaftler haben in einem Naturschutzgebiet nahe Bristol Motten der «Hausmutter» genannten Art Noctua pronuba eingefangen. Sie fixierten die Tiere an einem Wachspfropfen. So konnten sie per Laser die Vibrationen eines Tympanum genannten Häutchens messen, mit dem die Insekten Schalldruck wahrnehmen. Dieses Trommelfell der Insekten liegt an der Körperseite.

Wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift «Current Biology» berichten, gehört das Hörorgan der Hausmutter zu den einfachsten aller Insekten. Nur zwei bis vier Nervenzellen verarbeiten die Vibrationen. Bislang sei man daher davon ausgegangen, dass die Motten nur einen Teil der Ortungsrufe von Fledermäusen wahrnehmen.

Doch das Team um Windmill konnte nun nachweisen, dass die Motten die Empfindlichkeit ihres Hörorgans an die Stimmlage ihrer Jäger anpassen. Wenn sich Fledermäuse ihrer Beute auf kurze Distanz nähern, steigern sie Lautstärke und Frequenz ihrer Ortungsrufe, um ein schärferes Echobild ihrer Beute zu erhalten. Die Motten «stimmen» ihr Tympanum auf diese Frequenzen, fanden die Wissenschaftler. Nach dem sie die Rufe gehört haben, bleibt das Organ zudem für mehrere Minuten besonders empfindlich für diesen Frequenzbereich – für den Fall eines erneuten Angriffs.

Eine solche Anpassungsfähigkeit sei unter den Insekten und sogar im gesamten Tierreich einzigartig, teilte Windmills Universität nun mit. Die Forscher wollen nun untersuchen, ob Fledermäuse ihre Rufe verändern, um trotz des geschärften Mottengehörs unentdeckt zu bleiben. Bei der riesigen Vielfalt der Fledermausrufe sei dies zu erwarten. (nz)