18.12.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Junges Exemplar eines Eisfisches
Foto: BFAFi Hamburg
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Für die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff haben Wirbeltiere rote Blutkörperchen. Doch in der Biologie gibt es keine Regel ohne Ausnahme.
Eisfische sind eine kleine Fischfamilie mit nur 15 Arten, die kaum rote Blutkörperchen in ihrem Körper haben. Wie sie dennoch überleben können, berichtet der Fischereibiologe Karl-Hermann Kock von der
Bundesforschungsanstalt für Fischerei (BFAFi) in Hamburg im Wissenschaftsmagazin «Forschungsreport».
Vor rund achtzig Jahren hörte der norwegische Biologe Johann Ruud auf einer Walfangstation im Südatlantik Gerüchte über Fische ohne Blut, die in den antarktischen Gewässern leben würden. Erst mehr als zwei Jahrzehnte später, im Jahr 1953, fing er die ersten lebenden Exemplare. Das Blut der Tiere war durchsichtig. Ruud erkannte, dass das am nahezu vollständigen Fehlen roter Blutkörperchen und deren Sauerstoff bindenden Protein Hämoglobin liegt.
Bei Wirbeltieren nehmen die roten Blutkörperchen, so genannte Erythrozyten, in der Lunge oder den Kiemen Sauerstoff auf und transportieren ihn in das Körpergewebe. Ohne Sauerstoff käme der Stoffwechsel in den Zellen zum Erliegen. Der Organismus würde sterben.
Dass die Eisfische dennoch leben können, liegt an mehreren physiologischen Besonderheiten. So pumpt ihr Herz größere Blutmengen und die Haut atmet stärker. Zudem kommen Eisfische nur in kalten antarktischen Gewässern vor, wo der Stoffwechsel der wechselwarmen Tiere vergleichsweise gering ist.
Eisfische konnten sich an die Lebensverhältnisse so gut anpassen, dass sie in relativ großen Beständen auftraten. Da sie sich außerdem gut als Speisefisch eigneten, gerieten sie Ende der 60er Jahre in das Visier großer Fangflotten. Vor allem Trawler aus der Sowjetunion und anderen Ostblockstaaten wie Polen und der DDR holten an manchen Jahren mehr als 100.000 Tonnen Eisfisch aus dem antarktischen Meer. Doch die Bestände hielten dem hohen Fischereidruck nicht lange stand. Seit Ende der 80er Jahre werden nur noch wenige tausend Tonnen Eisfisch im Jahr gefangen.
Zurzeit ist der Wissenschaftler Kock mit dem Forschungsschiff «Polarstern» wieder in der Antarktis. Auf der Fahrt wird unter anderem der Erholungsstatus der dortigen Fischbestände überprüft. (nz)