Zeitzeugen sind stark beeinflussbar
11.12.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Beste Beispiele für die Beeinflussung der Zeitzeugen sind nach Neitzels Worten persönliche Erinnerungen an den Attentatsversuch auf Hitler am 20. Juli 1944 und an Generalfeldmarschall Erwin Rommel. Die meisten Zeitzeugen hätten großen Wert darauf gelegt, die eigene Person möglichst nahe an den Widerstand zu rücken und zu betonen, schon damals positiv über das Attentat auf Hitler gedacht zu haben. Angesichts der Popularität Hitlers nach dem 20. Juli sei offensichtlich, dass sich die Erinnerung nach dem Krieg an die öffentliche Meinung angepasst habe, sagen die Forscher um Neitzel.
In ähnlicher zeichneten die Zeitzeugenberichte über Rommel ein positiv übersteigertes Bild, das von der NS-Propaganda geprägt und ungebrochen durch die Nachkriegsliteratur überliefert worden sei.
Die Untersuchung decke auf, dass die Erinnerung komplexe Erlebnisse zu einem einfachen Sinngebilde von simplen Erklärungen verdichte. Eigene Verantwortung für Unrecht und Verbrechen ist in den untersuchten Interviews nach Neitzels Aussage so gut wie überhaupt nicht thematisiert worden. (nz)

