11. Dez 2006 15:39
In Geschichts- Sendungen liefern Zeitzeugen Beschreibungen aus erster Hand. Doch einige der Aussagen sind mit Vorsicht zu genießen.
Die Antworten der Zeitzeugen auf bestimmte Fragen stimmten teilweise wörtlich überein, sagte Sönke Neitzel am Montag dem Evangelischen Pressedienst. Gemeinsam mit fünf Kollegen hat der Mainzer Historiker etwa 1300 Befragungen der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte ausgewertet. Das Projekt «Die Erinnerung an das Dritte Reich im Spiegel von Zeitzeugeninterviews» wurde von der Gerda-Henkel-Stiftung finanziert.Beste Beispiele für die Beeinflussung der Zeitzeugen sind nach Neitzels Worten persönliche Erinnerungen an den Attentatsversuch auf Hitler am 20. Juli 1944 und an Generalfeldmarschall Erwin Rommel. Die meisten Zeitzeugen hätten großen Wert darauf gelegt, die eigene Person möglichst nahe an den Widerstand zu rücken und zu betonen, schon damals positiv über das Attentat auf Hitler gedacht zu haben. Angesichts der Popularität Hitlers nach dem 20. Juli sei offensichtlich, dass sich die Erinnerung nach dem Krieg an die öffentliche Meinung angepasst habe, sagen die Forscher um Neitzel.
In ähnlicher zeichneten die Zeitzeugenberichte über Rommel ein positiv übersteigertes Bild, das von der NS-Propaganda geprägt und ungebrochen durch die Nachkriegsliteratur überliefert worden sei.
Die Untersuchung decke auf, dass die Erinnerung komplexe Erlebnisse zu einem einfachen Sinngebilde von simplen Erklärungen verdichte. Eigene Verantwortung für Unrecht und Verbrechen ist in den untersuchten Interviews nach Neitzels Aussage so gut wie überhaupt nicht thematisiert worden. (nz)