netzeitung.deNächtlicher Jäger ist Spinne des Jahres

 Herausgeber: netzeitung.de

Bevorzugt mit Seeblick: Eine Sand-Wolfsspinne in ihrer Wohnröhre (Foto: Heiko Bellmann<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Bevorzugt mit Seeblick: Eine Sand-Wolfsspinne in ihrer Wohnröhre
Foto: Heiko Bellmann
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

In Deutschland gibt es rund 1100 Spinnenarten. Einen der größten einheimischen Achtbeiner haben Experten nun zur Spinne des Jahres 2007 gekürt.

Die Sand-Wolfsspinne Arctosa cinerea ist die Spinne des Jahres 2007. Martin Kreuels von der Arachnologischen Gesellschaft stellte die Spinne am heutigen Montag stellvertretend für Spinnenexperten aus 21 europäischen Staaten in Berlin vor. Die Wissenschaftler machen mit ihrer Wahl auch auf die Bedrohung der Tiere aufmerksam, deren Lebensraum selten geworden ist.

Die Sand-Wolfsspinne gehört zur Familie der Wolfsspinnen. Mit einer Körperlänge von fast 20 Millimetern ist sie eine der größten einheimischen Spinnen. Die Tiere werden auch als Flussufer- Riesenwolfsspinne oder Sandtarantel bezeichnet.

Wie alle Wolfsspinnen webt die Sand-Wolfsspinne keine Netze, sondern jagt mit ihren gut ausgebildeten Augen. «Sie überrascht ihre Beute mit ihrer Schnelligkeit», wird Kreuels in einer Mitteilung der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft zitiert. Als Nahrung dienen Insekten wie Laufkäfer, Heuschrecken, Fliegenlarven und auch andere Spinnen. Die Sand-Wolfsspinne jagt in der Zeit von März bis November nachts.

Die Sand-Wolfsspinne kommt überall in Europa an naturnahen Kies- und Sandufern an Flüssen und Seen vor. Die Art ist heute selten, da diese Lebensräume durch Regulierungsmaßnahmen zum größten Teil verschwunden sind. In weiten Teilen Deutschlands ist sie daher ausgestorben.

Häufigere Funde gibt es an der Ostsee, aber auch an einzelnen Flussabschnitten im Einzugsgebiet des Rheins oder der Elbe. Sand-Wolfsspinnen nehmen aber auch vom Menschen geschaffene Biotope wie Baggerlöcher oder Kiesgruben an. «Hält man die Uferzone durch Pflegemaßnahmen offen, kann die Art in diesen Ersatzlebensräumen erhalten werden», sagt Kreuels.

Tagsüber versteckt sie sich in Wohnröhren, die sie meist unter größeren Steinen oder unter Treibgut in den sandigen Untergrund gräbt. Steigt das Wasser plötzlich an, verschließt die Spinne die Öffnung und überlebt in einer Luftblase. Zur Winterruhe legen die Spinnen eine neue Höhle in ausreichender Entfernung vom Ufer an, damit sie vor Überflutungen geschützt sind.

Beim Sex geben sich die Weibchen der Art tolerant. Die männlichen Wolfsspinnen werden nach der Paarung nicht gefressen, was bei Spinnen sonst häufig vorkommt. Dennoch sind die Männchen vorsichtig und bewerben das Weibchen geduldig, bis es zur Paarung bereit ist. (nz)