netzeitung.de«Polonium kriegt man überall»

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Das Mordopfer vermutete die russische Regierung hinter dem Auftrag. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Das Mordopfer vermutete die russische Regierung hinter dem Auftrag.
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Die Spuren im Mordfall Litwinenko führen nach Moskau. Doch der Giftmord könnte schwerer aufzuklären sein als zunächst vermutet.

Das radioaktive Metall Polonium, mit dem der ehemalige russische Spion Alexander Litwinenko vergiftet wurde, ist im Handel erhältlich. Entgegen ursprünglicher Vermutungen muss der Mörder also keinen Zugang zu Atomreaktoren gehabt haben, wo das Metall zum größten Teil gewonnen wird.

«Man kriegt es überall», zitierte die Online-Ausgabe der «New York Times» den Nuklear-Experten William Happer von der Princeton University, der die US-Regierung berät. Russland ist der weltweit größte Produzent des Metalls. Litwinenko hatte die Regierung von Präsident Wladimir Putin beschuldigt, ihn als Überläufer ermorden zu wollen. Moskau hat die Vorwürfe als «absurd» zurückgewiesen.

Selbst wenn nachgewiesen werden könnte, dass das Polonium in Litwinenkos Körper aus Russland stammt - etwa durch bestimmte Verunreinigungen mit anderen Elementen - würde das nicht auf eine Beteiligung der russischen Regierung hinweisen: Das Land exportiert jährlich etwa 96 Gramm Polonium allein in die USA. Nach Großbritannien wurde es indes in den vergangenen fünf Jahren nach Angaben der russischen Atomenergie-Agentur nicht ausgeführt.

Polonium wird in der Industrie etwa bei der Produktion antistatischer Geräte wie Pinsel und Ventilatoren verwendet. Das Polonium lädt über kurze Distanz Luft elektrisch auf. Ebenfalls elektrostatisch aufgeladene Staubpartikel ziehen diese Luft an und werden von ihr neutralisiert. Anschließend sind sie leichter zu entfernen.

Die Geräte eines US-Herstellers sind über das Internet erhältlich. Gesundheitlich sind sie unbedenklich, da die Strahlung des Poloniums die menschliche Haut nicht durchdringen kann. Gefährlich wird sie erst, wenn das Metall eingeatmet oder mit Nahrung aufgenommen wird. Die Hersteller der antistatischen Geräte versehen sie daher mit entsprechenden Sicherheitshinweisen.

Mit «gründlicher Laborarbeit» könnte das Polonium aus den Produkten isoliert werden, sagte der Kriegsforscher Peter Zimmermann vom Londoner King's College der «New York Times». Bereits ein Zehnmillionstel Gramm Polonium kann im Körper eine tödliche Strahlungsdosis freisetzen. Verschlossen, etwa in einer Flasche, kann das Material ohne Risiken für Kontaktpersonen transportiert werden. (nz)