01.12.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Kondom-Kampagne in Kambodscha
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Kondome haben den Ruf, außer ungewollten Schwangerschaften und Krankheiten auch Spaß am Sex zu verhüten. Zu Unrecht, berichtet nun ein Medizinmagazin.
Safer-Sex-Kampagnen sollten die angenehmen Seiten des Kondomgebrauchs betonen, fordern die Autoren eines Artikels im Medizinmagazin «The Lancet». Bislang würde vor allem vor den möglichen unangenehmen Folgen von Sex ohne Kondom gewarnt. Daher würden die Kampagnen große Teile des Zielpublikums nicht erreichen.
Bereicherung mit ImageproblemÜber Vergnügen und sogar Sex überhaupt werde in der Diskussion um sexuell übertragbare Krankheiten und die Ausbreitung des Aids-Erregers HIV auffällig wenig gesprochen, schreiben die Autoren um Anne Philpott von der britischen Initiative «The Pleasure Project». Angenehme Empfindungen seien aber ein Hauptgrund, aus dem Menschen Sex haben. Daher müssten sie bei der Werbung für Kondomgebrauch und Safer-Sex-Praktiken angesprochen werden.
Das Autorenteam bescheinigt den Verhüterlis für Ihn und Sie ein Imageproblem. Nach einer Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist ihr Ruf, angenehme Empfindungen zu dämpfen, eines der größten Hemmnisse für den Gebrauch. Nach Kampagnen, die mit einem Spaßgewinn für Kondome werben, seien sie jedoch besser angenommen worden.
So würden nach einer Marketingkampagne für benoppte Kondome für Männer in Uganda jährlich zwölf Millionen Stück verkauft weit mehr als der Hersteller erwartet hatte. In Indien würden Männer-Kondome vermarktet, die innen mit einem leicht betäubend wirkenden Gleitmittel beschichtet sind. Die Verzögerung des Samenergusses sei ein weiterer angenehmer Effekt, auf den die Kondomwerbung eingehen könnte, schlagen die Autoren vor.
Bei der Benutzung von Frauen-Kondomen würden die weichen Gummiringe am inneren und äußeren Ende für «angenehme Reibung» bei Frau und Mann sorgen. Das Frauen-Kondom würde auch als Sexspielzeug und Bereicherung angesehen. Nach einer Kampagne in der Mongolei, die damit warb, war der Jahresvorrat in sechs Monaten verkauft.
Ein Faktor, der in Studien bislang nur bei Männer-Kondomen nachgewiesen wurde, dürfte aber ebenso für die Frauen-Kondome sprechen: Die Partner konnten den Sex besser genießen, weil sie sich mit Kondom sicherer fühlten und entspannter waren. Zudem drücke die Benutzung Respekt für den Partner aus.