Kleine Stromstöße verbessern Gedächtnis
06.11.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Kurz bevor die Probanden in die Tiefschlafphase übergingen, legten die Wissenschaftler Strom an die Elektroden. Das Gehirn des Schlafenden wurde für dreißig Minuten etwa eine Sekunde langen Strompulsen ausgesetzt. Für die Probanden war das nicht zu spüren, die Stromstärke war an die natürlichen Hirnströme angepasst. Die Stimulation verstärkte lediglich die typischen Muster, die die Hirnströme im Tiefschlaf ergeben.
Dass Tiefschlaf die langfristige Einspeicherung solchen Wissens verbessert, der Fachmann spricht von der Konsolidierung des Gedächtnisses, hatten bereits frühere Studien ergeben. Borns Team hat nun nachgewiesen, dass dieser Prozess durch elektrische Stimulation verstärkt werden kann.
«Für uns war es aber das Wichtigste zu zeigen, mit welchem Typ elektrischer Stimulation dieser Prozess verstärkt wird», so Born im Gespräch mit der Netzeitung. Der Gedächtnisschub funktionierte nur, wenn die Stimulation zur Verstärkung der Tiefschlafmuster eingesetzt wurde. In anderen Schlafphasen blieb sie wirkungslos. Damit sei nachgewiesen, dass diese so genannten langsamen Oszillationen, das grob sekündliche An- und Abschwellen der Aktivität in der Hirnrinde, ein entscheidender Mechanismus für die Gedächtniskonsolidierung sind, berichten die Forscher.
Auf diese Weise könnten auch Demenzkranke oder Menschen mit Schlafstörungen behandelt werden, sagt Born. Allerdings müsste sich zunächst erweisen, dass auch regelmäßige Stimulationen keine unerwünschten Nebenwirkungen haben. Die Elektrobehandlung habe den Vorteil, dass nur natürlich auftretende Muster der Hirnströme erzeugt würden. Auf diese Weise könne man künftig möglicherweise Patienten selektiver behandeln, als es heute mit Medikamenten möglich ist, sagt Born.

