03.11.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Fischerei droht in 50 Jahren der Kollaps
Die Weltmeere werden stärker befischt, als die Bestände der Fischarten vertragen. Innerhalb der nächsten fünf Jahrzehnte droht der industriellen Fischerei der Zusammenbruch.
Wenn die Artenvielfalt der Meere weiterhin so stark dezimiert wird wie bisher, könnte die Fischerei bereits Mitte dieses Jahrhunderts zusammenbrechen. Davor warnt eine Gruppe internationaler Ökologen und Wirtschaftsexperten im Journal «Science».
«Wenn wir unsere Methoden zum Artenschutz nicht grundlegend verändern, wird dies das letzte Jahrhundert mit wild gefangenem Fisch sein», sagte Mitautor Stephen Palumbi von der kalifornischen
Stanford University in Pacific Grove.
Die Gruppe um Boris Worm von der Dalhousie University im kanadischen Halifax nutzte Daten aus einer Vielzahl von Experimenten, Messungen und Fischereiaufzeichnungen. Die Forscher zeigen, dass der seit dem Beginn der Industrialisierung bereits vielfach belegte Rückgang der Artenvielfalt die Produktivität der Meere deutlich verringert.
In der Folge sinken die Fischereierträge, schreibt die Gruppe um Worm. Eine Untersuchung im Jahr 2003 habe ergeben, dass zu diesem Zeitpunkt bereits knapp ein Drittel der Bestände befischter Arten zusammengebrochen sei. Trotz massiven Mehraufwands für die Fischerei gingen die Erträge seit 1994 kontinuierlich zurück.
Auch die Stabilität des Ökosystems Meer und seine Fähigkeit, sich von Schädigungen zu erholen, verringere sich mit sinkender Artenvielfalt. Krankheiten breiteten sich schneller aus, die Lebensräume veränderten sich. Dadurch erhöhen sich auch die Risiken für die Menschen in den Küstenregionen, berichten die Forscher.
Allerdings gebe es einen kleinen Lichtblick, betont Worm: Noch sei dieser Prozess umkehrbar. In neu eingerichteten Meeresschutzgebieten steige die Artenvielfalt rasch wieder, schreiben die Forscher. In solchen Reservaten können sich Fische und andere Tiere gut vermehren und damit auch die Umgebung mitversorgen. Das hilft den Fischern im Umkreis solcher Schutzgebiete. Die Autoren regen an, bei allen Schutzmaßnahmen nicht einzelne, sondern alle Arten einzubeziehen.
Im Moment sei weniger als ein Prozent des Meeres geschützt. «Obwohl mit einem besseren Schutz der Artenvielfalt kurzfristig steigende Kosten verbunden sind, ergänzen sich Artenschutz und wirtschaftliche Entwicklung langfristig», sagt Edward Barbie, Ökonom von der US-amerikanischen University of Wyoming in Laramie. (nz)