07. Okt 2006 13:43
Besonders, wenn Zuwendung anderer fehlt, schlägt gelegentliches Lottospiel in Sucht um, beobachten Experten. Zudem wird für Süchtige die Ziehung zum «besonderen Kick».
Wer nur ein Mal tippe, sei zwar nicht sofort gefährdet. «Aber ein so hoher Jackpot, wie es ihn derzeit gibt, ist auch ein besonders hoher Anreiz, sein Glück doch einmal zu versuchen.» Mittlerweile ist der Jackpot auf den deutschen Rekordwert von rund 35 Millionen Euro angewachsen.«Die Lotto-Sucht wurde in Deutschland jahrelang nicht als Sucht anerkannt», sagte Grüsser. Das liege daran, dass Lotto das verbreitetste und beliebteste Glücksspiel Deutschlands sei. Viele Menschen sähen im Lotto-Spielen die einzige Möglichkeit, mit relativ geringem Einsatz schnell zu viel Geld zu kommen. «Dabei ist den meisten aber unklar, dass ihnen unter gewissen Umständen die Kontrolle über das Spiel verloren gehen kann», sagte die Medizinpsychologin.
Hilfe bei Sucht möglich
Bei einschneidenden Erlebnissen wie beispielsweise der Pensionierung könne gelegentliches Spielen in eine Abhängigkeit umschlagen. «Dabei kann zum Beispiel auch die eventuell vorhandene Lücke an Zuwendung und Aufmerksamkeit durch den Kontakt zu den Menschen in den Annahmestellen gefüllt werden», sagte Grüsser.«Außerdem haben wir in einer Studie festgestellt, dass auch die Ziehung der Lotto-Zahlen wie ein besonderer Kick wirken kann, auf den man immer wieder hinlebt.» In diesen Fällen versuchen Suchtexperten, den Betroffenen mit Informationen und Beratung zu helfen. (nz)