netzeitung.dePer Anhalter ins Bienennest

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Blinde Passagiere anstelle einer erfolgreichen Paarung: Käferlarven klammern sich an eine Drohne. (Foto: PNAS<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Blinde Passagiere anstelle einer erfolgreichen Paarung: Käferlarven klammern sich an eine Drohne.
Foto: PNAS
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Unterschiedliche Insekten arbeiten zusammen, wenn es etwa um Nahrungsbeschaffung und Jungenaufzucht geht. Käferlarven betrügen gemeinsam.

Larven eines Ölkäfers arbeiten zusammen, um in Bienennester zu gelangen und sich dort durchfuttern zu können. Forscher beschreiben damit ein seltenes Beispiel für Kooperation bei nicht-sozialen Insekten. Gemeinsam machen die Käferlarven Bienenmännchen ein schier unwiderstehliches Angebot.
Mit Bienenduft auf Drohnenfang
Die Ölkäferart Meloe franciscanus kommt in den Wüstengebieten der südwestlichen USA vor. Um sich unter den harten Bedingungen in diesem Lebensraum vermehren zu können, nutzen die Käfer einen Trick. Die erwachsenen Tiere fressen an Pflanzen, die auch die Solitärbiene Habropoda pallida besucht, um Nektar und Pollen zu sammeln. Die Käferweibchen legen ihre Eier auf Blättern der Pflanze ab.

Die geschlüpften Larven versammeln sich auf diesen Pflanzen und bilden eine Art Ball. Auf diese Weise versuchen sie Drohnen anzulocken, die Männchen der Bienenart, die auf Partnersuche sind. Wie Leslie Saul-Gershenz und Jocelyn Millar in der Online-Ausgabe des Magazins «Proceedings of the National Academy of Sciences» berichten, verströmen die Käferlarven einen besonderen Duft. Damit ahmen sie einen Sexuallockstoff der weiblichen Bienen nach. Die Biologen sprechen von «aggressiver Mimikry», denn die Täuschung dient dazu, das Paarungsverhalten der allein lebenden Bienen auszubeuten.

Wenn nun eine Drohne versucht, sich mit dem Larvenball zu paaren, klettern die Käferlarven auf ihren Hinterleib – meist in weniger als zwei Sekunden. Findet die Drohne später eine echte Partnerin und kopuliert mit ihr, wechseln die Käferlarven auf ihren Hinterleib und lassen sich in das Nest der Biene fliegen. Dort ernähren sie sich vom eingelagerten Pollen und Nektar und schließlich auch dem Bienennachwuchs.

Unter sozialen Insekten wie Bienen, Wespen, Ameisen oder Termiten sei kooperatives Verhalten häufig, schreiben die Biologinnen. Die Ölkäfer seien jedoch das erste beschriebene Beispiel für Insekten, die zusammenarbeiten, um einen Wirt auszubeuten. Die aggressive Mimikry sei ein effizienter Weg, auf dem die Ölkäfer im Wüstenlebensraum an knappe Nahrungsressourcen gelangen. (nz)