28.08.2006
Herausgeber: netzeitung.de
WM-Stimmung auf dem Römerplatz in Frankfurt
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Das gute Abschneiden des deutschen Teams bei der Fußball-WM hatte psychologische Auswirkungen. Viele empfanden ihre eigene Finanzsituation deutlich positiver als zuvor.
Während der Fußball-WM sahen die Menschen in Deutschland der wirtschaftlichen Zukunft deutlich optimistischer entgegen als vorher. Ihre eigene ökonomische Situation beurteilten sie gar so positiv, als hätten sie ein deutlich höheres Einkommen, berichten Wissenschaftler der
Universität Bonn.
Anderthalb Wochen vor der WM sowie am Tag nach jedem deutschen Spiel hatte das Meinungsforschungsinstitut Infas im Auftrag der Bonner Forscher je 400 zufällig ausgewählte Erwachsene interviewt. Die Befragten sollten sich zu ihrer persönlichen wirtschaftlichen Situation sowie zur aktuellen ökonomischen Lage der Bundesrepublik äußern. Außerdem sollten sie angeben, wie sie persönlich und Deutschland allgemein in einem Jahr wirtschaftlich dastehen würden.
«Gerade nach dem gewonnenen Viertelfinalspiel gegen Argentinien sowie gegen Portugal um Platz Drei sahen die Befragten ihre aktuelle wirtschaftliche Lage viel rosiger als vor Beginn der WM», sagt Armin Falk. Wer während der WM interviewt wurde, beurteilte seine ökonomische Situation im Durchschnitt ähnlich gut wie jemand, der vor der WM befragt worden war, aber über ein knapp 500 Euro höheres Netto-Haushaltseinkommen verfügte.
Bei der Einschätzung der gesamtwirtschaftlichen Lage sowie der zukünftigen Entwicklung beobachteten die Forscher einen ähnlichen Trend: Während der WM waren die Urteile deutlich positiver.
Die Ergebnisse könnten zumindest teilweise erklären, warum das Wirtschaftswachstum momentan an Fahrt gewinne, heißt es in einer Mitteilung der Uni Bonn. «Zwar ist der direkte ökonomische Effekt der WM, beispielsweise durch gestiegene Einnahmen der Gastronomie oder die höhere Nachfrage nach Flachbildschirmen, wohl minimal», sagt Falk. Wenn aber Millionen Menschen aufgrund einer optimistischen Grundstimmung konsumfreudigere Entscheidungen treffen könne tatsächlich ein zusätzlicher Wachstumsschub entstehen.
Die Fußball-WM zeige eindrucksvoll, wie viel Macht scheinbar irrelevante Ereignisse auf kollektive ökonomische Wahrnehmungen und Erfahrungen haben können, resümiert Falk. (nz)