netzeitung.deKein Platz für Hobbits

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Der gefundene Schädel war stark asymmetrisch, wie die Spiegelungen der Gesichtshälften (links und rechts) zeigen. (Foto: A, E. Indriati, B&C, D.W. Frayer<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Der gefundene Schädel war stark asymmetrisch, wie die Spiegelungen der Gesichtshälften (links und rechts) zeigen.
Foto: A, E. Indriati, B&C, D.W. Frayer
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Ob es sich beim Flores-Menschen um eine eigene Art handelt, ist seit Entdeckung der Fossilien umstritten. Nun legen Forscher neue Indizien vor, die gegen die Arttheorie sprechen.

Der Flores-Mensch gehörte keiner eigenen Art an, sondern war ein Artgenosse des modernen Menschen Homo sapiens. Bei den auf der indonesischen Insel Flores entdeckten Fossilien handelt es sich nach Einschätzung eines internationalen Forscherteams um Überreste eines Menschen mit Missbildungen.

Das Team um Teuku Jacob von der indonesischen Gadjah Mada University in Yogyakarta hat den einzigen gefundenen Schädel und weitere Knochen des fast vollständigen Skeletts erneut untersucht. Anhand der nach dem Fundort Liang Bua «LB1» genannten Fossilien hatten Forscher die Theorie aufgestellt, dass sich auf der Insel aus Vorfahren der Art Homo erectus ein Zwergmensch entwickelt habe. In einem Artikel des Fachmagazins «Nature», erschienen im Oktober 2004, ordneten sie ihn einer neuen Art zu: Homo floresiensis wurde daraufhin schnell als «Hobbit» bekannt – in Anlehnung an Figuren aus Tolkiens «Herr der Ringe».

Doch die Forscher irrten, berichten Wissenschaftler um Jacob nun in der Online-Ausgabe des Magazins «Proceedings of the National Academy of Sciences». Der Schädel stamme von einem Menschen, der an Mikrozephalie litt. Dabei handelt es sich um eine Fehlentwicklung des Gehirns, bei der auch der Schädelknochen nicht zur normalen Größe wächst. Die Betroffenen sind zudem häufig kleinwüchsig.

Viele Merkmale der Knochen wie etwa die ausgeprägte Asymmetrie des Schädels deuteten auf die krankhafte Entwicklung. Andere Merkmale, die 2004 als einzigartig beschrieben wurden, lägen dagegen im normalen Bereich für Menschen aus dem australisch-melanesischen Raum. Der Schädel war zunächst mit Schädeln von Menschen aus anderen Regionen verglichen worden, vor allem aus Europa. Logisch wäre es jedoch geboten gewesen, die Knochen mit Funden aus der Region zu vergleichen, schreiben die Wissenschaftler.

Um eine neue Art nachzuweisen, müssen Paläoanthropologen mehrere für ihre Fundstücke normale Merkmale beschreiben können, die es bei keiner anderen Art gibt. Das sei im Falle des Flores-Menschen nicht geschehen, sagt Robert Eckhardt von der US-amerikanischen Pennsylvania State University. «Die normalen Merkmale von LB1 waren nicht einzigartig und die ungewöhnlich kleine Hirnschale war nicht normal», wird der Koautor der aktuellen Studie in einer Mitteilung der Universität zitiert.

Die Wissenschaftler führen nicht nur anatomische Merkmale an. Es sei auch unwahrscheinlich, dass sich isoliert auf der Insel eine eigene Art Mensch entwickelt haben könnte, schreiben sie. In Zeiten eines niedrigen Meeresspiegels sei Flores nur durch wenige Kilometer offenen Wassers von den nächstgelegenen Inseln getrennt gewesen. Zwergelefanten der Gattung Stegodon hätten Flores mehrfach besiedelt und auch für Menschen sei dies anzunehmen. Der Lebensraum sei zudem zu klein für eine Population von Jägern und Sammlern, die ausreichend groß ist, um lange dort zu überleben.

Für das Web ediert von Patrick Eickemeier