24.07.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Stephen Hawking
Foto: stephenhawking.org.uk
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Stammzellforschung ist ethisch umstritten. Doch der schwer kranke Physiker Stephen Hawking sieht in ihr den Schlüssel zur Entwicklung von Heilmethoden.
Der renommierte britische Physiker Stephen Hawking hat Bemühungen in Europa und den USA scharf kritisiert, die Forschung mit embryonalen Stammzellen zu unterbinden. «Europa sollte nicht dem reaktionären Beispiel von Präsident Bush folgen», schrieb der schwer kranke Wissenschaftler in einer am Montag von der britischen Tageszeitung «The Independent» veröffentlichten Erklärung.
«Die Stammzellenforschung ist der Schlüssel zur Entwicklung von Heilmethoden für Leiden wie die Parkinson-Krankheit oder die Amyotrophe Lateralsklerose, von der ich und viele andere betroffen sind», schrieb der 64-Jährige. Hawkings Leiden ist eine fortschreitende Erkrankung der Nervenzellen, die die Muskeln steuern. Embryonale Stammzellen sollen künftig dazu eingesetzt werden, die ausgefallenen Nerven zu ersetzen.
Die Krankheit war 1963 bei Hawking diagnostiziert worden. Seit 1968 ist er auf einen Rollstuhl angewiesen. 1985 verlor er die Fähigkeit zu sprechen und kommuniziert seither mit Hilfe eines Sprachcomputers.
Hawking wendet sich entschieden gegen alle Bemühungen, finanzielle Unterstützung der EU für die Forschung mit embryonalen Stammzellen zu unterbinden. Sein Appell wurde im Vorfeld eines Treffens des EU-Ministerrates veröffentlicht, bei dem unter anderem Deutschland und Polen sich dagegen aussprechen wollen, die Forschung mit Mitteln der Union zu fördern.
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) äußerte sich vor der Sitzung zurückhaltend auf die Frage, ob sie ausreichend Unterstützung anderer EU-Staaten für ihren Kurs bekommen werde. Diplomaten sagten, auf der Seite Deutschlands seien Luxemburg, Polen, Litauen, Malta und Österreich. Die Position Italiens sei seit dem Regierungswechsel unklar.
Die Gegner begründen ihre Haltung damit, dass sie indirekt über ihren Beitrag in die EU-Kassen Forschung finanzieren, die sie auf nationaler Ebene verboten haben. Die Gewinnung embryonaler Stammzellen des Menschen ist in der Bundesrepublik grundsätzlich verboten. Deutsche Forscher dürfen nur Stammzellen verwenden, die im Ausland vor dem 1. Januar 2002 durch künstliche Befruchtung gewonnen wurden. Damit stehen ihnen neuere, möglicherweise besser geeignete Stammzelllinien nicht zur Verfügung. Forscher und Politiker fordern deshalb eine Änderung dieser Stichtagsregelung. (nz)