Wildbiologe: «Das Problem ist nicht der Bär»
Netzeitung: Sind Sie schon Braunbären in der Natur begegnet?
Stoffella: Schon oft, das ist meine Arbeit. Man braucht aber Glück, um einen Bären zu sehen. Die meisten sind sehr scheu, manche sind aber auch frecher.
Stoffella: Wir haben JJ1 in Italien bei verschiedenen Gelegenheiten vergrämt. Wir beschießen die Bären mit Gummikugeln oder setzen Schreckschüsse ein. JJ1 hat dabei aber offenbar nur gelernt, nicht wieder an einen Ort zurückzukehren, wo er Vieh gerissen hat.
Stoffella: Bären sind schlau. Sie können sich praktisch unsichtbar machen. Von seiner Mutter Jurka, die auch eingefangen werden soll, fehlt seit drei Wochen jede Spur. Es wird schwierig, JJ1 lebend einzufangen. Wenn es gelänge, könnte man ihm ein Senderhalsband anlegen und seine Bewegungen verfolgen.
Netzeitung: Das Tier soll in diesem Fall aber in ein Gehege gesetzt werden.
Der Lebensraum der Braunbären überschneidet sich mit dem Lebensraum des Menschen. Wenn man die Tiere gleich abschießen will, sobald sie in der Nähe menschlicher Siedlungen auftauchen, dann geht es nicht nur um JJ1, sondern um den Braunbären in Europa überhaupt.
Ich bin nicht überzeugt, dass der Abschuss die richtige Lösung ist. Die Menschen müssen mehr Zeit haben zu lernen, wie ein Bär sein kann. Das ist kein braver Zirkusbär, von dem man genau weiß, was er tut. Wenn man Bären in Mitteleuropa haben will, wird man auch mit ihnen in Kontakt kommen. Davor muss man keine Angst haben. Wenn man sie nicht will, ist das anders. Aber Bären haben ein Recht hier zu leben, sie waren vor uns da.
Netzeitung: Könnten weitere Bären nach Deutschland einwandern?
Mit Alberto Stoffella sprach Patrick Eickemeier

