netzeitung.deVogelvorfahren schwammen auf dem Wasser

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Fossil (Foto: Hai-lu You/CAGS<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Fossil
Foto: Hai-lu You/CAGS
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Das Leben entwickelte sich im Wasser, bevor es das Land eroberte. Fossilien deuten darauf, dass Vögel in ihrer Evolution eine ähnliche Entwicklung vollzogen.

Frühe Vorfahren der heute lebenden Vögel haben vornehmlich auf dem Wasser gelebt. Das schließen chinesische und US-amerikanische Forscher aus neuen Fossilfunden im Nordwesten Chinas.

Die gut erhaltenen Überreste der Gansus yumenensis genannten Art stammen aus der frühen Kreidezeit und sind zwischen 105 und 115 Millionen Jahre alt. Eingebettet waren die Fossilien in der Xiagou-Formation, in Sedimenten eines ehemaligen Sees. Das Wissenschaftlerteam um Hai-lu You von der Chinesischen Akademie der Geowissenschaften in Peking beschreibt den Fund im US-Magazin «Science». Vermutlich haben die Tiere ähnlich gelebt wie heutige Enten, Reiher, Störche oder Seetaucher, sagt Teammitglied Jerald Harris vom Dixie State College in St. George im US-Bundesstaat Utah.

Die Forscher vermuten, dass die Urahnen der modernen Vögel nach ihrer Nahrung tauchten und erst ihre Nachfahren auch an Land Futter suchten. Bei der Einordnung der Gansus-Fossilien in den Stammbaum der Vögel sei ein ökologisches Muster ersichtlich geworden, das darauf deute. Harris hofft auf den Fund von Schädeln, die bei den 50 seit 1981 entdeckten Fossilien fehlen. Dann ließe sich mehr über die Nahrung der Tiere herausfinden.

Für die Forscher gibt Gansus Aufschluss über eine wichtige Zeitspanne in der Evolution der Vögel. Zur Lebenszeit der Tiere dominierte ein anderer Zweig der Vögel den Kreide-Himmel: die Enantiornithes. Die Arten aus dieser Gruppe hatten wahrscheinlich ähnliche Lebensweisen wie die heutigen Singvögel, Spechte oder Raubvögel, sagt Harris. Sie starben allerdings vor etwa 65 Millionen Jahren zusammen mit den Dinosauriern aus. Fossilfunde aus dieser Gruppe stammen aus dem Nordosten Chinas. Sie sind nur wenige Millionen Jahre älter als die Funde aus der Xiagou-Formation.

Das Forscherteam hofft eine Erklärung zu finden, warum der Gansus-Zweig überleben konnte, während die Enantiornithes ausstarben. Verantwortlich dafür könnte ein Klimawandel gewesen sein. Das große Artensterben am Ende der Kreidezeit ermöglichte Gansus und seinen Nachfahren die Eroberung neuen Lebensraums. Ob die wassernahe Lebensweise im damaligen Kampf ums Überleben der Ausschlag gebende Faktor gewesen sein könnte, wissen die Forscher noch nicht. (nz)