30.05.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Ansteckendes Lachen: Natalie Portman
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Dass Fröhlichkeit ansteckend ist, ist bekannt. Jetzt haben Forscher herausgefunden, warum - und warum sich negative Gefühle stärker ausbreiten als positive.
Positive und negative Gefühle können genau wie Infektionskrankheiten von Mensch zu Mensch weitergegeben werden, oft ohne dass es der Empfänger bemerkt. «Emotionale Ansteckung erfolgt innerhalb von Millisekunden», sagt Elaine Hatfield, Professorin für Psychologie an der Universität von Hawaii. «Wenn man der Empfänger ist, stellt man oft nur fest, dass man sich nach einem Treffen anders fühlt als vorher.»
Der Gefühlsaustausch beruht dabei auf einem Ur-Prinzip. Während eines Gesprächs tendieren Menschen unbewusst dazu, Gesichtsausdruck, Haltung, Körpersprache und Sprachrhythmus des Gegenübers nachzuahmen, zitiert die «Washington Post» den Psychologen John T. Cacioppo von der Universität von Chicago. Je ausdrucksvoller und aufrichtiger ein Gesprächspartner ist, desto wahrscheinlicher sei es, dass man ihn imitiere. «Die Muskelfasern in Gesicht und Körper können, von einem selbst unbemerkt, auf einem viel niedrigeren Level aktiviert werden als wenn man diese Bewegungen selbst initiiert hätte», so Cacioppo.
Keine EinbahnstraßeDiese bloßen Muskelbewegungen lösen dann das tatsächliche Gefühl aus, indem die selben Neuronen im Gehirn aktiviert werden wie bei dem «echten» Erleben des Gefühls, sagt Hatfield. Das funktioniert in beide Richtungen: Wenn man sich gut fühlt, lächelt man. Lächelt man, fängt man an, sich gut zu fühlen.
Mürrische Chefs blockierenDiese Gefühlsübertragung hat auch einen praktischen Nutzen. Gut gelaunte Vorgesetzte sorgen dafür, dass bei ihren Mitarbeitern positive Gefühle dominierten, fanden Forscher der Universität von Michigan heraus. Gruppen mit Vorgesetzten, die positive Gefühle ausstrahlten, arbeiteten demnach effektiver als solche mit eher mürrischen Gruppenleitern.
Wie gut die Übertragung von Emotionen funktioniert, hängt dabei zum Teil davon ab, wie stark die Beziehung der beiden Personen miteinander ist. Verschiedene Studien ergaben, dass bei älteren Ehepaaren die Depression des einen Partners auch beim anderen Partner eine Depression auslöst. Und auch unter Studenten sei Depression hochgradig ansteckend.
Negativ ist dominantDabei gibt es Menschen, die eher anstecken, und andere, die eher angesteckt werden, sagt der Psychologe Frank Bernieri von der Oregon-State-Universität in Corvallis. Seiner Meinung nach sind negative Gefühle auch ansteckender als positive. «Wenn jemand schlecht gelaunt ist, fühlen sich Menschen aus seinem Umfeld verpflichtet, mitzufühlen», sagt er. Das mache es wahrscheinlicher, dass dieses Gefühl verbreitet wird. (nz)