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Am Anfang war das Ei – oder?

27. Mai 2006 08:08
Das Bankiva-Huhn ist der Vorfahr aller Haushühner. Die Eierfrage ist damit aber nicht beantwortet.
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Die Frage, ob zuerst das Huhn war oder das Ei, haben Forscher nun beantwortet. Der Aha-Effekt fällt allerdings bescheiden aus.

Ein Philosoph, ein Genetiker und ein Hühnerfarmer sind der Frage nachgegangen, ob erst das Huhn war, oder ob es aus einem bereits vorhandenen Hühnerei schlüpfte. Es gab zuerst das Ei, sagt nun der Philosoph und erhält Rückendeckung vom Naturwissenschaftler und vom Praktiker.

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Das erste Huhn muss aus einem Hühner-Ei geschlüpft sein, sagt David Papineau. Für den Wissenschafts- Philosophen vom britischen King's College in London ist der Fall damit erledigt. «Ich würde sagen, es ist ein Hühnerei, wenn ein Huhn darin ist», wird Papineau von der britischen Tageszeitung «The Independent» zitiert. Wenn ein Känguru ein Ei legte, aus dem ein Strauß schlüpfte, würde man sicherlich von einem Straußenei sprechen, so Papineau, und nicht von einem Känguruei.

Die Logik erscheint nicht gerade unwiderstehlich, zumal Beuteltiere, und Säugetiere überhaupt, bekanntlich keine Eier legen, wenn man einmal vom Schnabeltier und den Ameisenigeln absieht. Aber wir wollen die Dinge an dieser Stelle nicht unnötig verkomplizieren. Wenden wir uns den harten Fakten zu.

Der Embryo in der Eierschale habe das gleiche Erbgut wie das Huhn, zu dem er heranwächst, sagt der britische Evolutionsgenetiker John Brookfield von der University of Nottingham. «Daher ist das erste Lebewesen, das eindeutig als Vertreter dieser Art bezeichnet werden kann, das Ei», so Brookfield.

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Das erscheint plausibel, ist aber auch vereinfacht. Während des Lebens eines Organismus verändert sich sein Erbgut durchaus. Bei Zellteilungen werden die Chromosomen immer kürzer. Zudem schleichen sich Fehler ein. Diese sind meist nur punktuell, können aber auch an Folgegenerationen weitergegeben werden, wenn sie die DNA einer Samen- oder Eizelle betreffen.

Zudem ist die genetische Information nicht nur in der Abfolge der DNA-Bausteine gespeichert. Chemische Veränderungen der DNA-Moleküle regeln etwa die Genaktivität. Schließlich benötigen spezialisierte Zelltypen nicht das gleiche Handwerkszeug wie die befruchtete Eizelle, aus der sich ein neuer Organismus entwickeln soll. Beispielsweise ein Huhn.

Wo der Schritt vom Vorfahren zum Huhn getan wurde, innerhalb oder außerhalb der Schale, ist also nicht so eindeutig festzulegen. Für den Praktiker sind das aber nur Spitzfindigkeiten. Charles Bournes, Hühnerfarmer und Vertreter der Handelsorganisation «Great British Chicken», hat wahrscheinlich schon Tausende Generationen von Eiern und Hühnern kommen und gehen sehen. Den Überblick hat er dabei offenbar nicht verloren. «Eier gab es schon lange bevor die ersten Hühner da waren», sagt Bournes. Damit hat er nach dem heutigen Stand der Forschung zweifelsohne recht. Über die Frage, ob ein geschlüpfter Vogel oder ein Embryo in einer Schale das Ur-Huhn war, lässt er uns damit allerdings im Unklaren.

Wer es nun wirklich wissen will, muss sich wohl oder übel wieder dem – hier sicherlich stark verkürzt dargestellten – philosophischen Erklärungsansatz zuwenden. Ein Huhn kann nur aus einem Hühnerei schlüpfen. Und wer sich damit nicht zufrieden geben will, der muss zwar nicht in Unwissen, aber in Ungewissheit weiterleben.

 
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