25.05.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Dieses Weibchen mit einem Jungen ist mit einem HIV-ähnlichen Virus infiziert.
Foto: Dr. Mike Wilson
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Vermutet hatten es Aidsforscher schon lange, jetzt gelang endlich auch der Nachweis: Der Aidserreger HIV wurde von wilden Schimpansen in Afrika auf den Menschen übertragen.
Ein internationales Forscherteam hat in der Wildnis des zentralafrikanischen Kameruns 446 Kotproben von frei lebenden Schimpansen gesammelt. In etlichen dieser Proben fanden die Wissenschaftler die Antikörper zu SIV, der Schimpansenversion von HIV, wie sie in einer Online-Veröffentlichung des US-Fachjournals «Science» berichten. Bislang war SIV stets nur bei Schimpansen in Gefangenschaft nachgewiesen worden, so das Journal.
Bis zu 35 Prozent der Schimpansen in den untersuchten Gemeinschaften seien infiziert gewesen, schreibt das Team um Beatrice Hahn von der Universität von Alabama in Birmingham (USA). Die Analyse förderte sogar 34 Proben zu Tage, bei denen die gefundenen SIV- Antikörper der Affen auch mit menschlichen HIV-1-Antigenen reagierten.
In 12 Fällen waren die Testergebnisse der Affen «so gut wie nicht mehr zu unterscheiden» von Kontrolltests an HIV-1- infizierten Menschen. Hahn und andere Forscher waren schon früher zu dem Schluss gekommen, dass die erste HIV-1-Infektion eines Menschen bereits im frühen 20. Jahrhundert durch einen Schimpansen in Kamerun erfolgt sein muss.
Nach den neuen Erkenntnissen von Hahns Team, dem auch Forscher aus Europa und Afrika angehören, sind Kameruns Schimpansen aber nicht die ursprüngliche Quelle des Erregers. Sie selbst hätten sich bei anderen Affenarten im westlichen Zentralafrika mit SIV oder einem Vorläufer dieses Virus infiziert. Damit hätte der Aidserreger schon zwei Mal die Artengrenze übersprungen, zuerst vom Affen zum Menschenaffen und später vom Menschenaffen zum Menschen. (nz)