netzeitung.deZahnbehandlung mit dem Feuerstein-Bohrer

 Herausgeber: netzeitung.de

Lupe Zahnbehandlung mit dem Feuerstein-Bohrer

Bereits in der Steinzeit ließen sich Menschen Zähne mit Bohrer behandeln. Forscher vermuten, dass sie die Prozedur überlebten.

In Pakistan haben Forscher bis zu 9000 Jahre alte Zähne ausgegraben, in die zu Lebzeiten der menschlichen Besitzer Löcher gebohrt wurden. Es handelt sich um die ältesten Hinweise auf zahnärztliche Behandlungen, berichten sie nun.

Das Forscherteam um Roberto Macchiarelli von der französischen Université de Poitiers hat eine neusteinzeitliche Begräbnisstätte im heutigen Pakistan ausgegraben. In der aktuellen Ausgabe des Magazins «Nature» beschreiben die Wissenschaftler Bearbeitungsspuren an elf Zähnen von neun der dort beerdigten Menschen.

Es handele sich um Löcher von etwa ein bis drei Millimeter Durchmesser und bis über drei Millimeter Tiefe. Konzentrisch angeordnete Vorsprünge in ihren Wänden lassen die Forscher darauf schließen, dass die Löcher gebohrt wurden. Abnutzungsspuren an den Vorsprüngen zeigten, dass nach dem Bohren noch mit den Zähnen gekaut wurde – was belege, dass die Patienten den Eingriff überlebten.

Möglicherweise wurden die Löcher auch mit Füllungen versehen. Denn bei den Behandlungen wurden zum Teil auch schmerzempfindliche Zahnteile freigelegt, berichten die Wissenschaftler. Überreste von Füllungen fanden sie jedoch nicht.

Beim Werkzeug der steinzeitlichen Zahnärzte handelte es sich wahrscheinlich um Feuerstein-Bohrer, mit denen bereits Perlen aus Knochen, Kalkschalen oder Türkisgestein bearbeitet wurden. Bei den Zähnen könnten sie gegen Karies eingesetzt worden sein, vermuten die Forscher. Erwiesen sei dies jedoch nicht, da auch gesunde Zähne angebohrt wurden. Ausschließen können sie aber die Zahnbehandlung zur Verschönerung. Dafür lagen die behandelten Zähne zu tief im Mund. (nz)