netzeitung.deGeheimnis des Vogelgesangs gelüftet

 Herausgeber: netzeitung.de

Bekannter Singvogel: die Amsel (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Bekannter Singvogel: die Amsel
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Mit Hilfe von Röntgenaufnahmen haben Biologen den Gesang der Vögel enträtselt. Anders als bisher angenommen, formen die Tiere ihre Töne nicht erst im Schnabel.

Ein deutsch-amerikanisches Forscherteam hat Singvögel während ihres Gesangs geröntgt und dabei eine interessante Entdeckung gemacht. Die Vögel formen ihre Töne ähnlich wie Menschen in der Kehle. Bisher hatte man geglaubt, die Töne entstünden durch die unterschiedliche Öffnung des Schnabels.

Die Entdeckung machten Forscher um den deutschen Biologen Tobias Riede von der Berliner Humboldt-Universität im US-Fachblatt «Proceedings of the National Academy of Sciences» (Bd. 103, S. 5543). Der Stimmapparat der gefiederten Sänger zeichnet sich demnach, genau wie der des Menschen, durch große Flexibilität aus.

Die Forscher machten Röntgenaufnahmen von Roten Kardinälen (Cardinalis cardinalis). In den Röntgenfilmen ist zu sehen, dass die Vögel ihre Stimmbänder beim Singen zyklisch dehnen. Diese Bewegung pflanzt sich in den Rachen fort, drückt ihn leicht zusammen und schafft dabei freien Raum, der die tieferen Töne hergibt.

Bisher waren Biologen davon ausgegangen, dass der Stimmtrakt von Vögeln starr ist und sie ihre Tonalität ausschließlich durch Veränderung ihrer Schnabelöffnung erlangen. «Singvögel, die ihre Laute genau wie Menschen erlernen, zeigen damit eine weitere Analogie zum Menschen - die präzise Bewegungssteuerung, um in der Kehle komplexe Laute zu erzeugen», merkte Riede dazu an. (nz)