netzeitung.deGratistherapie könnte arme Aids-Kranke retten

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HIV-positive Kleinkinder in Sambia (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe HIV-positive Kleinkinder in Sambia
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Mit Medikamenten kann die Zahl der Aids-Toten deutlich verringert werden. Doch häufig mindert Armut den Erfolg der Therapie.

In den ersten Monaten einer Medikamenten-Therapie gegen die Immunschwäche-Krankheit Aids sterben in Entwicklungsländern mehr Menschen als in Industrieländern. Forscher haben in stark betroffenen Ländern nach Ursachen dafür gesucht.

Das Team von Medizinern um Matthias Egger von der schweizerischen Universität Bern hat die Sterblichkeit von Aids-Patienten in Kliniken in Afrika, Asien und Südamerika mit der Sterblichkeit von Patienten in Europa und Nordamerika verglichen. Sämtliche Patienten erhielten eine hochaktive antiretrovirale Therapie (Haart), die die Virenvermehrung bremsen kann.

Wie die Forscher jetzt in der Fachzeitschrift «The Lancet» berichten, ist die Sterblichkeit in den ersten Monaten in den südlichen Ländern jedoch deutlich höher als in Europa und Nordamerika. Dies sei auf die fortgeschrittene Zerstörung des Immunsystems durch HIV und die oft gleichzeitig bestehende Tuberkulose bei den Patienten in Entwicklungsländern zurückzuführen, teilte die Uni Bern mit. «In den Industrieländern wird meistens früher behandelt», sagt Egger.

Die Forscher beobachteten auch, dass die Sterblichkeit höher ausfiel, wenn die Patienten für die Behandlung selber aufkommen mussten. «Wahrscheinlich wurde die Therapie unterbrochen, weil das Geld fehlte», vermutet Paula Braitstein, die Projektleiterin in Bern. Die Autoren fordern daher, dass die Therapie kostenlos zur Verfügung gestellt wird und rechtzeitig beginnt.

Haart wird aufgrund einer Initiative der Weltgesundheits- Organisation (WHO) und anderer Organisationen vermehrt in Afrika, Asien und Lateinamerika eingesetzt. Die WHO schätzt, dass mittlerweile etwa eine Million Menschen in Entwicklungsländern mit antiretroviralen Mitteln behandelt werden. Allein im südlichen Afrika, wo jeder dritte der weltweit schätzungsweise 40 Millionen HIV-Infizierten lebt – benötigen jedoch rund zwei Millionen Menschen die Therapie.

Der Erfolg der Haart-Programme soll weiter untersucht werden. Eine Weiterführung des Projekts wurde vor kurzem bewilligt, teilte die Uni Bern mit. Künftig wird sich die Forschung auf die südafrikanischen Länder Malawi, Botswana, Südafrika, Simbabwe, Mosambik konzentrieren. (nz)