10. Mrz 2006 10:02
Fossil am Spieß: In Laos wurde Forschern eine besondere Grillspeise angeboten. Es handelte sich um einen Vertreter einer lange verschollenen Tiergruppe.
Das Nagetier war Biologen Anfang 2005 auf einem Markt in Laos aufgefallen. Es wurde dort als gegrillter Snack am Spieß angeboten. Mit Hilfe von Einheimischen fingen die Forscher ein lebendes Exemplar in der Wildnis und untersuchten es im Labor. Aufgrund ihrer einzigartigen Körpermerkmale ordneten sie die Laotische Felsenratte Laonastes aenigmamus benannte Art zunächst einer eigenen Familie zu.Nun haben Forscher vom Carnegie Museum of Natural History in Pittsburgh, Pennsylvania, jedoch nachgewiesen, dass die Art zur heute ausgestorbenen Familie der Diatomyidae gehört. Diese Gruppe von Nagetieren kam früher im Gebiet der heutigen Länder Pakistan, Indien, Thailand, China und Japan vor, berichtet das Team um Mary Dawson in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Science».
Diatomyiden waren den Forschern nur durch fossile Funde aus dem Oligozän und dem Miozän bekannt. Diese geologischen Zeitalter endeten vor mehr als fünf Millionen Jahren. Das jüngste bekannte Diatomyiden-Fossil ist elf Millionen Jahre alt, sagen die Wissenschaftler.In der Biologie wird die Entdeckung lebender Vertreter von Arten, die als ausgestorben gelten, als Lazarus-Effekt bezeichnet. Die Bezeichnung geht zurück auf die im Johannesevangelium beschrieben Auferweckung des gestorbenen und begrabenen Lazarus durch Jesus.
Der Fund der etwa 40 Zentimeter großen Tiere unter den Lebenden sei ein seltenes Phänomen, schreiben die Forscher. Die letzten lebenden Vertreter aus der Diatomyiden-Familie müssten dringend geschützt werden, fordern sie. Der «Urzeit-Zoo» von Tieren, die bis heute in Südostasien überlebten biete wertvolle Einsichten in die biologische Vielfalt der Vergangenheit und der Gegenwart.