Schimpansen zeigen keine Anteilnahme
18.01.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Ein selbstloser Schimpanse würde seinem Nachbarn das Futter zuschieben, auch wenn dies mit einem gewissen Aufwand verbunden ist. Ein boshafter Schimpanse hingegen, würde das Futter in den leeren Raum befördern, um zu verhindern, dass der Nachbar es bekommt. «Meine Vermutung war, dass bei den Schimpansen die Missgunst siegt», wird Jensen in einer Mitteilung der Max-Planck-Gesellschaft zitiert.
Wie die Forscher jetzt im Magazin «Proceedings of the Royal Academy» berichten, taten die Schimpansen in 50 Prozent der Fälle gar nichts. In 25 Prozent der Fälle wurde das Futter zum Nachbarn, in 25 Prozent zum leeren Raum hin gezogen. Dies demonstriere, dass die Schimpansen weder selbstlos noch missgünstig handelten, schließen die Forscher.
«Sie schienen einfach nicht auf den anderen Schimpansen zu achten», sagt Jensen. Ihr Interesse galt ausschließlich dem Futter. Auch nachdem sie herausgefunden hatten, dass sie das Futter nicht selbst bekommen können, verhalfen sie dem anderen Schimpansen nicht dazu, berichtet der Biologe. Sie verhielten sich aber auch nicht boshaft, so Jensen.
Wenn Selbstlosigkeit und Boshaftigkeit auf den Menschen beschränkt sind, sei es wahrscheinlich, dass diese Eigenschaften sich im Laufe der letzten sechs Millionen Jahre herausgebildet haben, vermuten die Forscher. So lange haben sich die stammesgeschichtlichen Wege von Mensch und Schimpanse bereits getrennt. (nz)

