netzeitung.deSchimpansen zeigen keine Anteilnahme

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Schimpansen (Foto: Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Schimpansen
Foto: Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Tiere gelten Vielen als die «besseren Menschen». Doch es scheint, dass ein menschlicher Vorzug kein tierisches Gegenstück hat - ebenso wie eine dunkle Seite.

Forscher haben an Schimpansen untersucht, ob und wie stark altruistisches, selbstloses, Verhalten bei ihnen ausgeprägt ist. Auch auf Missgunst wurden unsere nahen Verwandten geprüft.

Keith Jensen und Kollegen vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie stellten die Tiere vor die Wahl. Durch Ziehen an einem Seil konnten sie entweder anderen Schimpansen zu Futter verhelfen oder das Futter in einen leeren Raum befördern. In beiden Fällen ging der Schimpanse, der am Seil zog, selbst leer aus.

Ein selbstloser Schimpanse würde seinem Nachbarn das Futter zuschieben, auch wenn dies mit einem gewissen Aufwand verbunden ist. Ein boshafter Schimpanse hingegen, würde das Futter in den leeren Raum befördern, um zu verhindern, dass der Nachbar es bekommt. «Meine Vermutung war, dass bei den Schimpansen die Missgunst siegt», wird Jensen in einer Mitteilung der Max-Planck-Gesellschaft zitiert.

Wie die Forscher jetzt im Magazin «Proceedings of the Royal Academy» berichten, taten die Schimpansen in 50 Prozent der Fälle gar nichts. In 25 Prozent der Fälle wurde das Futter zum Nachbarn, in 25 Prozent zum leeren Raum hin gezogen. Dies demonstriere, dass die Schimpansen weder selbstlos noch missgünstig handelten, schließen die Forscher.

«Sie schienen einfach nicht auf den anderen Schimpansen zu achten», sagt Jensen. Ihr Interesse galt ausschließlich dem Futter. Auch nachdem sie herausgefunden hatten, dass sie das Futter nicht selbst bekommen können, verhalfen sie dem anderen Schimpansen nicht dazu, berichtet der Biologe. Sie verhielten sich aber auch nicht boshaft, so Jensen.

Die intensive Anteilnahme, die Menschen dagegen aneinander nehmen, könnte einen wichtigen Beitrag zu unserer Fähigkeit geleistet haben, miteinander zu kooperieren. Sie könnte dem Menschen einen Sinn für faires Handeln verliehen und die Moralvorstellungen geprägt haben, die unsere Gesellschaft heute definieren.

Wenn Selbstlosigkeit und Boshaftigkeit auf den Menschen beschränkt sind, sei es wahrscheinlich, dass diese Eigenschaften sich im Laufe der letzten sechs Millionen Jahre herausgebildet haben, vermuten die Forscher. So lange haben sich die stammesgeschichtlichen Wege von Mensch und Schimpanse bereits getrennt. (nz)