02.01.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Blauwale vor der nordwestlichen Küste der USA
Foto: NOAA
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Wissenschaftler untersuchen die Lautäußerungen von Meeressäugern. Die Rufe von Großwalen sind regional eingefärbt, berichten sie nun.
Mit Unterwasser-Mikrofonen haben Forscher Lautäußerungen von Walen in verschiedenen Ozeanen aufgezeichnet. Anhand der Aufnahmen konnten sie nun unterschiedliche «Dialekte» identifizieren und Wale finden, wo sie nicht vermutet worden waren.
Mithilfe der Hydrophone haben die Wissenschaftler Nördliche Glattwale (
Eubalaena glacialis) im Golf von Alaska nachgewiesen. Nur eines dieser selten gewordenen Tiere war seit 1980 in diesen Gewässern gesichtet worden, teilt die
Oregon State University mit. Nun gelangen akustische Aufzeichnungen der Rufe eines Tieres vor den Kodiak-Inseln und weiterer Wale im tieferen Wasser. Dies sei überraschend, da Glattwale meist nur in Küstennähe gesichtet werden, sagt David Mellinger, einer der Forscher.
Die Aufzeichnungen verrieten auch Pottwale (Physeter macrocephalus), die sich während des Winters in diesen Gewässern aufhalten. Bislang waren die Tiere nur während des Sommers in dem Gebiet beobachtet worden. «Im Golf von Alaska möchte man sich im Winter nicht aufhalten», sagt Mellinger. Doch offenbar machten die rauen Bedingungen den Pottwalen nichts aus.
DialekteIn der Januar-Ausgabe des Magazins «Bioscience» berichten die Wissenschaftler darüber hinaus über Dialekte von Blauwalen (
Balaenoptera musculus). Die Lautäußerungen der Populationen im nördlichen und im nordwestlichen Pazifik unterscheiden sich deutlich, berichten die Autoren um Sue Moore von der US-Amerikanischen
National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA). Auch vor Chile oder der Antarktis aufgezeichnete Rufe der Tiere seien offenbar regional eingefärbt. Bislang ist allerdings unklar, ob der Wal-Slang genetische Grundlagen habe oder erlernt wird.
Die meisten Rufe können einer Population zugeordnet werden. «Es gibt aber auch seltene Hybrid-Rufe», sagt Mellinger. Diese könnten von Jungtieren stammen, die die populationsspezifischen Rufe noch nicht beherrschten. Es könnte sich jedoch auch um eine gemeinsame «Sprache» handeln, in der Tiere aus unterschiedlichen Populationen kommunizierten, vermuten die Forscher.
Sie wollen dieser Frage mithilfe weiterer Mikrofone nachgehen, die sie in der Beringstraße installieren. Mit dem erweiterten Mikrofonnetz sollen auch die Wanderungen der Tiere verfolgt werden. Die Wissenschaftler hoffen Zusammenhänge zu den Bedingungen im Ozean nachweisen zu können. (nz)