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Eine neue Art Rippenqualle (Foto: Kevin Raskoff<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Eine neue Art Rippenqualle
Foto: Kevin Raskoff
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Fleischfressende Schwämme, leuchtende Quallen und Fische mit Chips: Bei der Erfassung allen Lebens in den Ozeanen legen Forscher eine Halbzeitbilanz vor.

In der Tiefsee haben Meeresbiologen neue Lebensformen entdeckt. Als Highlights des Jahres 2005 werden im Rahmen des ehrgeizigen Forschungsprojekts Census of Marine Life nun Bilder zuvor unbekannter Tiere und Berichte über bislang verborgene Wanderwege der Meeresbewohner präsentiert. Mehr als 40.000 Arten haben die Wissenschaftler bereits beschrieben. Sie wollen sämtliche bekannte Lebewesen der Meere wissenschaftlich erfassen.

Die Wissenschaftler wollen bis zum Jahr 2010 aber auch Gebirgsrücken, die sich über den Meeresgrund erstrecken, die Küsten sowie das offene und das Oberflächenwasser untersuchen. In den südlichen Ozeanen entnommene Wasserproben enthalten zu 50 bis 90 Prozent unbekannte Arten, berichten sie. Zu den auffälligsten Neuentdeckungen gehören räuberische Schwämme. Die einen halben Zentimeter großen Lebewesen umschlingen ihre Beute mit einer Art Mund und verdauen sie. Normalerweise filtern Schwämme kleine Partikel aus Wasser, das sie einstrudeln. Drei von vier der entdeckten «Raubschwämme» aus den südlichen Meeren waren der Forschung zuvor unbekannt.

Der «Census of Marine Life» begann im Jahr 2000 mit etwa 250 Mitwirkenden. Seither ist die Zahl der beteiligten Forscher auf etwa 1700 angestiegen. «Die Herausforderung ist der immense Umfang des Zensus», sagt Victor Gallardo of Chile, vom leitenden Komitee des internationalen Forschungsprojekts. Der Tiefseeboden erstreckt sich über 300 Millionen Quadratkilometer.

Auch auf einer Tauchfahrt entlang des mittelatlantischen Rückens, einem unterseeischen Gebirgszug, stießen die Biologen auf unbekannte Vertreter von Tiefseefischen, Tintenfischen und Seegurken. Bei einem Viertel der beobachteten Fische handelte es sich um bekannte Arten, die jedoch in dem Gebiet noch nicht nachgewiesen worden waren.

Die Verfolgung markierter Bartenwale zeigte, dass die Tiere den unterseeischen Gebirgszug als Nahrungsgrund nützen. Sie scheinen sich auch auf ihrer Wanderung in arktische Gewässer daran zu orientieren. Um den Wanderungen weiterer Meeresbewohner auf die Spur zu kommen, statteten Census-Forscher rund 1800 Tiere mit Satellitensendern aus. Nun werden die Bewegungen von Haien, Knochenfischen, Vögeln, Schildkröten und Robben per Funk aufgezeichnet.

Mithilfe von eingepflanzten Computerchips verfolgen die Forscher auch die Wanderungen von Lachsen, die aus US-amerikanischen und kanadischen Flüssen in den Pazifik ziehen. Die etwa mandelgroßen Chips übertragen ein Identifizierungssignal, wenn die Fische über Aufzeichnungsgeräte am Meeresgrund schwimmen. Eine mehr als 1500 Kilometer lange Messreihe dieser Geräte wurde entlang der Küste vom US-Bundesstaat Washington bis hinauf nach Kanada verlegt. Bis 2010 soll sie entlang der US-Küste nach Süden verlängert werden.

Bislang haben die Forscher fast 4000 Lachse diverser Arten mit einem Chip ausgestattet. So konnten sie erstmals die Wanderungen einzelner Arten und verschiedener Schwärme einer Art verfolgen. Auf diese Weise wollen sie etwa feststellen, wie die Erwärmung des Meerwassers durch den Treibhauseffekt die Wanderrouten verändert. (nz)


Für das Web ediert von Patrick Eickemeier