netzeitung.deRaubwanze liefert Vogelblut-Proben

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Dieses künstliche Gelege enthält ein 'Überraschungs-Ei' (oben, links) (Foto: Christian Voigt/IZW<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Dieses künstliche Gelege enthält ein 'Überraschungs-Ei' (oben, links)
Foto: Christian Voigt/IZW
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Wildvögeln stressfrei Blut abzunehmen ist kaum möglich. Jetzt haben Forscher eine etwas hinterhältige, aber effiziente Technik entwickelt.

Biologen aus Wilhelmshaven und Berlin haben Wildvögeln mithilfe eines tierischen Assistenten Blut abgenommen. Sie schieben den Vögeln in einem präparierten Ei eine Raubwanze unter.

Die Forscher haben das Verfahren erfolgreich in einer Seeschwalbenkolonie am Banter See in Wilhelmshaven getestet, teilte der Forschungsverbund Berlin am gestrigen Montag mit. Das Team um Peter Becker von der Vogelwarte Helgoland in Wilhelmshaven und Christian Voigt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin wollte anhand von Hormonen und anderen Bestandteilen im Blut ermitteln, welchen Stress Elternvögel beim Brüten haben und ob dies von Alter oder Bruterfahrung abhängt.

«Da sind die Wanzen einfach ideal, da jedwede konventionelle Probennahme Stress verursacht und dadurch die Stresshormone verfälscht», sagt Voigt. Auf den Wanzenstich zeigten die brütenden Vögel dagegen keinerlei Reaktionen.

Die Forscher tauschten jeweils ein ganzes Gelege gegen künstliche Eier aus. Eines davon war hohl und mit einer hungrigen Raubwanze der Art Dipetalogaster maximus bestückt. Die Schale hat eine kleine ovale Öffnung, die mit einem Netz verschlossen ist. Durch das Netz hindurch konnte die Wanze den brütenden Elternvogel stechen und Blut saugen. Anschließend tauschten die Forscher das Gelege wieder gegen das echte aus und entnahmen der Wanze die Blutprobe.

Im Fachmagazin «Journal of Ornithology» berichten die Wissenschaftler, dass sie auf diese Weise an 78 Blutproben von 59 brütenden Flussseeschwalben (Sterna hirundo) gelangten. Was die Wissenschaftler besonders freut: «Kein einziges der brütenden Paare, dem wir die Eier kurzzeitig vertauschten, hat sein Gelege aufgegeben», berichtet Voigt. (nz)