netzeitung.deForscher: Zu wenig Schlaf macht dick

 Herausgeber: netzeitung.de

Vielen Deutschen fehlt die positive Einstellung zum Schlaf, meinen Forscher. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Vielen Deutschen fehlt die positive Einstellung zum Schlaf, meinen Forscher.
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Ausschlafen wird in westlichen Industrieländern mit Leistungsverweigerung gleichgesetzt - mit fatalen Folgen, wie ein Regensburger Schlafforscher meint.

Die Bedeutung eines gesunden Schlafs wird nach Ansicht des Schlafforschers Jürgen Zulley in Deutschland stark unterschätzt. «Zu wenig Schlaf macht dick, dumm und krank», sagte der Experte vom Zentrum für Schlafmedizin der Universität Regensburg der Nachrichtenagentur dpa. Amerikanische Studien belegten: «Kurzschläfer haben eine geringere Lebenserwartung». Zunehmend fehle eine positive Einstellung zum Schlaf und eine Schlafkultur, so Zulley.

Wie der Forscher erläutete, werde im Schlaf das Appetit hemmende Hormon Leptin ausgeschüttet. «Deshalb halten wir es nachts zwölf und mehr Stunden ohne Essen aus - tagsüber fast undenkbar», sagte Zulley. Werde der Schlaf unterbrochen, kehre der Hunger zurück. «Der Gegenspieler - das Hormon Ghrelin - übernimmt dann wieder die Kontrolle und sagt: Essen.»

Gang zum Kühlschrank
Schlafgestörte kompensierten häufig ihr Unwohlsein mit dem Gang zum Kühlschrank. Dabei ist der Energieverbrauch nachts nur unwesentlich geringer als am Tage. «Schlafen ist ein hochaktiver Prozess. Im Traumschlaf ist das Gehirn oft aktiver als im Wachzustand.»

«Dumm» mache andauernder Schlafmangel, da die Gedächtnisleistung verringert werde, sagte der Wissenschaftler. So wurden in Tests neu erlernte Vokabeln nach verschiedenen Schlaflängen abgefragt. Im Tiefschlaf werde Wissen verarbeitet. «Wir speichern Wissen im Schlaf ab. Wer zu wenig Tiefschlaf bekommt, vergisst deutlich leichter.»

Magen-Darm-Erkrankungen
Durchschlafstörung äußere sich zunächst in Konzentrationsschwäche und Tagschlaf. «Doch auch Herz-Kreislauf-Probleme und Magen-Darm-Erkrankungen sind Folgen.» Ausschlafen werde statt als Gesundheitsfaktor, besonders in westlichen Industriegesellschaften als Leistungsverweigerungshaltung angesehen. «Dadurch kämpft sich der Durchschlafgestörte durch den Tag und tut seine Probleme als «Befindlichkeitsstörung» ab, mit der er eben klar kommen muss», sagte Zulley.

Der Forscher empfiehlt: «Wir sollten regelmäßig, gern und bei geöffnetem Fenster schlafen und nur bei medizinisch diagnostizierten Schlafstörungen unter ärztlicher Aufsicht zu Medikamenten greifen.» (nz)