Riemser Wissenschaftler erforschen Vogelgrippe
26.10.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Der Weg zur Arbeit führt Vogelgrippe-Expertin Ortrud Werner direkt in ihr Forschungsgebiet. Über die Ostseeinsel Riems, wo der Hauptsitz des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) hinter hohen Zäunen und Sicherheitstoren beheimatet ist, ziehen derzeit Tausende von Wildgänsen, Schwänen und Kleinvögeln. Die seichten Boddengewässer zwischen den Touristeninseln Rügen und Usedom sind ein Rastgebiet für die potenziellen Einträger der Vogelgrippe.
Hinter den Riemser Zäunen sind Erreger der Vogelgrippe, einschließlich des Subtyps H5N1, bereits seit langem präsent. Die hoch gesicherte Virusbank enthält rund 500 Virusstämme und -isolate von Rind, Schaf, Schwein oder Geflügel. Erst vor kurzem hatten die Forscher für die Tests mit einem neuartigen Marker-Impfstoff in den institutseigenen Hochsicherheitsställen Hühner künstlich mit hoch pathogenen Vertretern des Erregers infiziert.
Die Forscher beobachten den möglichen Anflug der Vogelseuche auf Deutschland. Die Maßnahmen zum Schutz vor der Vogelgrippe sind mit bundesweiter Stallpflicht und Importverboten allerdings nahezu ausgeschöpft. «Theoretisch kommen jetzt nur noch kleine Marginalien in Frage, wie die Zulassung der Impfung von besonders wertvollen Zootieren», erklärt die Sprecherin des Instituts, Elke Reinking. Für den Ernstfall, den Ausbruch der Seuche in Deutschland, lagern die Notfallpläne in den Schubladen.
Sollte bei einem Wildvogel das hoch pathogene Virus H5N1 auftreten, sind die Forscher allerdings erst einmal machtlos. «Wir müssen dann genau schauen, wo das Virus aufgetreten ist und ob beispielsweise Geflügelbestände in der Nähe sind», erklärt Reinking. Durch die Stallpflicht und die angestrebte Tränkpflicht mit Leitungswasser dürfte ein Übergriff auf einen Geflügelbestand zwar erschwert werden. Sollte es aber trotzdem dazu kommen, wird die Geflügelpestverordnung greifen. Sie sieht als wichtigste Maßnahmen die Tötung des Bestandes und die Einrichtung eines Quarantänebezirkes vor.
«Proben analysieren, wachsam sein und schauen, wo es noch Handlungsbedarf gibt», so beschreiben die Forscher die derzeitige Lage. Infizierte Wildvögel, vor allem die aus Russland kommenden Saat- und Blässgänse stellen die derzeit größte Einschleppungsgefahr dar. «Die Einschleppung von H5N1 aus Russland über Wildvögel nach Deutschland kann in der gegenwärtigen Situation nicht mehr ausgeschlossen werden», heißt es in der aktuellen Risikobewertung des Forschungsinstituts. (dpa)

