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Riemser Wissenschaftler erforschen Vogelgrippe

26. Okt 2005 12:35
Die Insel Riems, wo das Bundesinstitut seinen Hauptsitz hat
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Forscher rechnen mit der Einschleppung des Vogelgrippe-Erregers H5N1 nach Deutschland. Ein Bundesinstitut prüft Verdachtsfälle.

Von Martina Rathke

Der Weg zur Arbeit führt Vogelgrippe-Expertin Ortrud Werner direkt in ihr Forschungsgebiet. Über die Ostseeinsel Riems, wo der Hauptsitz des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) hinter hohen Zäunen und Sicherheitstoren beheimatet ist, ziehen derzeit Tausende von Wildgänsen, Schwänen und Kleinvögeln. Die seichten Boddengewässer zwischen den Touristeninseln Rügen und Usedom sind ein Rastgebiet für die potenziellen Einträger der Vogelgrippe.

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Die abgeschiedene Lage macht die Insel Riems zum idealen Platz für die Tierseuchenforschung, sagt Professor Thomas Mettenleiter, der als Institutspräsident quasi Deutschlands oberster Krisenmanager in Sachen Tierseuchen ist. Als 2001 der Rinderwahnsinn BSE die Menschen ängstigte, setzten seine Mitarbeiter und er der weit verbreiteten Hysterie nüchterne Sachinformationen entgegen. Auch im Herbst 2005 warnt der Institutschef vor Panikmache. «Die Vogelgrippe ist eine Tierseuche, die Deutschland zudem noch nicht erreicht hat.»

Hinter den Riemser Zäunen sind Erreger der Vogelgrippe, einschließlich des Subtyps H5N1, bereits seit langem präsent. Die hoch gesicherte Virusbank enthält rund 500 Virusstämme und -isolate von Rind, Schaf, Schwein oder Geflügel. Erst vor kurzem hatten die Forscher für die Tests mit einem neuartigen Marker-Impfstoff in den institutseigenen Hochsicherheitsställen Hühner künstlich mit hoch pathogenen Vertretern des Erregers infiziert.

Die Forscher beobachten den möglichen Anflug der Vogelseuche auf Deutschland. Die Maßnahmen zum Schutz vor der Vogelgrippe sind mit bundesweiter Stallpflicht und Importverboten allerdings nahezu ausgeschöpft. «Theoretisch kommen jetzt nur noch kleine Marginalien in Frage, wie die Zulassung der Impfung von besonders wertvollen Zootieren», erklärt die Sprecherin des Instituts, Elke Reinking. Für den Ernstfall, den Ausbruch der Seuche in Deutschland, lagern die Notfallpläne in den Schubladen.

Sollte bei einem Wildvogel das hoch pathogene Virus H5N1 auftreten, sind die Forscher allerdings erst einmal machtlos. «Wir müssen dann genau schauen, wo das Virus aufgetreten ist und ob beispielsweise Geflügelbestände in der Nähe sind», erklärt Reinking. Durch die Stallpflicht und die angestrebte Tränkpflicht mit Leitungswasser dürfte ein Übergriff auf einen Geflügelbestand zwar erschwert werden. Sollte es aber trotzdem dazu kommen, wird die Geflügelpestverordnung greifen. Sie sieht als wichtigste Maßnahmen die Tötung des Bestandes und die Einrichtung eines Quarantänebezirkes vor.

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Die Forscher spüren die Auswirkungen der von ihnen empfohlenen Maßnahmen zum Schutz vor der Vogelgrippe selbst. Tagtäglich treffen von Beringungszentralen, aber auch aus den Bundesländern Kot- oder Speichelproben von Wildvögeln ein. Unter Leitung der langjährigen Chefin des Referenzlabors für Vogelgrippe, Ortrud Werner, werden die Proben auf hoch pathogene Influenzaviren getestet. «Das Wildvogelmonitoring ist quasi ein Früherkennungssystem.» Rund 100 Proben werden hier pro Woche untersucht. Zudem geben Landestierämter unklare Befunde von toten Wildvögeln an die Riemser Experten weiter.

«Proben analysieren, wachsam sein und schauen, wo es noch Handlungsbedarf gibt», so beschreiben die Forscher die derzeitige Lage. Infizierte Wildvögel, vor allem die aus Russland kommenden Saat- und Blässgänse stellen die derzeit größte Einschleppungsgefahr dar. «Die Einschleppung von H5N1 aus Russland über Wildvögel nach Deutschland kann in der gegenwärtigen Situation nicht mehr ausgeschlossen werden», heißt es in der aktuellen Risikobewertung des Forschungsinstituts. (dpa)

 
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