netzeitung.deWeißer Hai schwimmt Rekord

 Herausgeber: netzeitung.de

Respekt einflößendes Forschungsobjekt: Der Weiße Hai (Bild: Science<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Respekt einflößendes Forschungsobjekt: Der Weiße Hai
Bild: Science
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Nach bisherigen Theorien treiben sich bei Weißen Haien nur die Männchen herum, die Weibchen bleiben zu Hause. Forscher haben dies jetzt widerlegt.

Ein Weißer Hai ist innerhalb von neun Monaten zweimal durch den Indischen Ozean geschwommen. Das Weibchen stellte dabei einen Geschwindigkeits-Rekord auf und kippte manche Theorie über das Verhalten der Großen Weißen.
Flitterwochen in Australien
Die rund 11.100 Kilometer lange Strecke von südafrikanischen in australische Gewässer schaffte das Tier der Art Carcharodon carcharias in 99 Tagen, berichtet ein Forscherteam um den Biologen Michael Paterson. Das nach Schauspielerin und Hai-Fan Nicole Kidman benannte Weibchen schwamm dabei mit mindestens 4,7 Kilometern pro Stunde. Das sei unter Haien die höchste bislang gemessene Langstreckengeschwindigkeit, schreiben die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Science».

Weniger als neun Monate nach ihrer Kennzeichnung in südafrikanischen Gewässern tauchte Nicoles Rückenflosse wieder dort auf. Ihr Ausflug nach Nordwestaustralien – eine Rundreise von mindestens 20.000 Kilometern – ist damit die schnellste doppelte Ozeandurchquerung eines Tieres, die je gemessen wurde.

Nicoles Wanderung ist aus weiteren Gründen bemerkenswert. Nachdem das etwa 3,8 Meter lange Tier zunächst in einem Bogen nach Süden geschwommen war, wanderte es auf einem fast geradlinigen Kurs durch den Indischen Ozean. Auf ihrer Route lagen keine Inseln, von denen man bisher angenommen hatte, dass die Tiere sie als Zwischenstationen benötigten.

Die Forscher vermuten, dass sie sich auf ihrer Wanderung an Sonne, Mond oder Sternen orientierte und nicht am Erdmagnetfeld, wie es Haien zugeschrieben wird. Darauf deute, dass Nicole zwei Drittel der Zeit dicht unter der Oberfläche schwamm. Das Tier tauchte jedoch auch häufig in größere Tiefen bis zu 980 Metern ab. 18 Prozent ihrer Zeit verbrachte sie zwischen 500 und 750 Metern Wassertiefe und war dabei Temperaturen von nur 3,4 Grad Celsius ausgesetzt.

Die Wissenschaftler hatten Weiße Haie in südafrikanischen Gewässern mit Satellitensendern oder akustischen Markern versehen. Ihre Bewegungen konnten anschließend per Satellit oder mit Unterwassermikrofonen verfolgt werden, die in bestimmten Küstenabschnitten angebracht wurden. So konnten sie zeigen, dass die Tiere Ozeane durchqueren, größere Wanderungen entlang der Küste unternehmen, in kleineren Gebieten patrouillieren oder ortstreu sind. Das belege ein größeres Verhaltensrepertoire, als man es bei Weißen Haien vermutet hatte.

Nach bisherigen Theorien wanderten nur die Männchen über größere Entfernungen. Nicoles Reise belegt jedoch, dass auch die Weibchen für genetischen Austausch zwischen weit voneinander entfernten Populationen sorgen könnten. Nicole habe sich zur Paarungszeit der Weißen Haie vor der australischen Küste eingefunden, sagen die Forscher. Was das Tier dort genau trieb, blieb den Satelliten-Aufzeichnungen jedoch verborgen.

Für das Web ediert von Patrick Eickemeier